Spaziergang im Oktober 1968
Es ist Sonntag der 27. Oktober 1968. Das Wetter ist schon
ein paar Wochen sehr durchwachsen. Heute haben wir so um die 10 Grad, bewölkt
mit einigen Regenschauern. Als ich durch das Fenster schaue erkenne ich
demzufolge ziemlich viel Grau. Trotzdem nehme ich mir meine Jacke und verlasse
das Haus.
Die Auffahrt runter und wie so oft rechts herum gehe ich bis zum Ende
der Gartenstraße. Ich biege rechts in die Glück-Auf-Straße ein und
anschließend links in die Michaelstraße. Vorbei am Grüngürtel der zuerst links
(hinter den Gärten der Glück-Auf-Straße), dann rechts (hinter den Gärten der
Barbarastraße) abzweigt sehe ich auf der rechten Seite das Haus des Schusters
(der Name ist mir leider entfallen) und auf der linken Seite die Gaststätte
Merkelbach. Dann biege ich rechts ab auf die Aachener Straße. An der ehemaligen
Papierhandlung Zander bleibe ich kurz stehen und schaue mir die neue Gaststätte
Arnolds an. Die Gaststätte hat erst vor 14 Tagen eröffet und ich habe gehört,
dass die Currysoße sehr gut schmeckt und das sie besonders dick ist. Ich nehme
mir vor dies in Kürze selbst zu testen.
Ich wandere weiter vor bis zum Dreieck.
Hier hat sich einiges in den letzten Jahren verändert. Neben dem
Futtermittelgeschäft von Beckers ist jetzt die Fahrschule von Rolf Schmidt. Ich
quere die Aachener Straße und gehe zu der neuen Telefonzelle vor der Gaststätte
Sevenig. Rechts sehe ich den neuen Salon vom Friseur Gottfried Besgens. In der
Zelle stöbere ich im Telefonbuch und sehe die Einträge für Beckers Futtermittel
Hausnummer 45 und auch den Eintrag für die neue Fahrschule Schmidt mit der
Hausnummer 43. Dazu muss man wissen, dass die Aachener Straße am
Bürgermeisteramt beginnt. Das Bürgermeisteramt hat somit die Hausnummer 1 und
der Hausarzt Dr. Georg Schildgen hat die Hausnummer 5. Seltsamerweise wird die
Villa von Dr. Walter Bellingrodt im Telefonbuch unter der Adresse Aachener
Straße 12 geführt, obwohl die Einfahrt an der Parkstraße liegt. Ich kann mir
das nicht so recht erklären. Ich stöbere weiter und finde den Eintrag von der
Gaststätte Walburga Sevenig (Aachener Straße 14) vor der ich gerade stehe.
Ich
schaue durch das Glasfenster auf die Gegenseite. Dort sehe ich links das neu
eröffnete Studio Dreieck. Bei der Neueröffnung war Manfred Weidlich persönlich
zugegen. Danach habe ich ihn nie mehr gesehen. Seine Frau Marianne Weidlich
führte dann die Disco und der Sohn Gerd Weidlich legte die Platten als
Disk-Jokey auf (später waren dann noch Pille Jansen und Cesar als Disk-Jokey
tätig) . Beim Bedienen der Gäste wurde Marianne von Günter Funk unterstützt.
Rechts neben der Disco existiert weiterhin das Kino Metropol welches zur Zeit
von Josef Kelleter geführt wird. Weiter rechts daneben (mit immer der gleichen
Auslage) das Textilgeschäft Esser-Kelleter. Ganz neu ist in der Hausnummer 33
der Zahnarzt Dr. Dieter Willms. Daneben sehe ich die alte Gaststätte von
Matthias Gier. Zwei Häuser weiter ist die Bäckerei Manguay und daneben die
Metzgerei von Willi Mertens. Ich verlasse die Telefonzelle und gehe rüber auf
die andere Seite. Hinter dem Studio Dreieck biege ich rechts ab zur
Straßenbahn-Haltestelle. Nach ca. 10 Minuten kommt die Tram der Linie 28 aus
Richtung Eschweiler und hält 5m von mir entfernt. Ich lege nach dem Einsteigen
meine Streifenkarte vor und nenne mein Fahrziel "Mariadorf
Kirche".Der Tramfahrer drückt nun seinen Stempel darauf. Dann suche ich
mir einen freien Sitzplatz. Noch geht es nicht los. Der Tramfahrer muss erst
warten bis die Tram aus Richtung Alsdorf ebenfalls eingefahren ist. Nach ein
paar Minuten ist das der Fall und die Fahrt beginnt.
Wir kreuzen die Aachener
Straße und fahren an der Bellingrodt-Villa vorbei. Dann geht die rasante Fahrt
weiter am "Schwestere Böisch" vorbei bis zum Sportplatz der
Mariadorfer Alemannen. Vor dem Eingang in die Sportanlage steht das kleine
Restaurant von Johanna Salber. Ich war nur einmal in der Gaststätte nach einem
Spiel gegen die Alemannia. Weiter geht es entlang der Bergmanns-Häuser der
Parkstraße. Links sieht man jetzt den sogenannten D-Zug.
Das ist ein
zusammenhängender Gebäudekomplex von EBV-Häusern mit einer gewaltigen Mauer
davor. Weil die Häuser eine so lange Kette bilden heißen sie im Volksmund eben
"d´r D-Zug". Weiter geht die Fahrt. An der Einmündung zur Querstraße
endet die Parkstraße und die Straße heißt ab hier nun Bahnhofstraße. Das erste
Haus auf der Ecke Bahnhofstraße - Querstraße ist das Lebensmittelgeschäft der
Firma Hillenblink & Co (den meisten wohl eher unter dem Namen HILKO
bekannt).
Auf der linken Seite stehen nun mehrere Hallen der
Maschinen-Hauptwerkstätte des EBV. Ich habe dort bisher einige Monate, in der
Lehre zum Starkstromelektriker, im E-Betrieb verbracht. Die Arbeit und auch
die Kollegen haben mir dort sehr gefallen. Die Fachkenntnisse der Kollegen aber
besonders die vom Vorarbeiter Hubert Simon und vom Meister Hermann Küpper haben
mich schwer beeindruckt. Auf der rechten Seite sehe ich nun, nachdem wir einige
Bergmanns-Häuser passiert haben, das Textilwarengeschäft von Heinz Dohms. Kurz
hinter dem Parkplatz der Maschinen-Hauptwerkstätte hält die Tram nun an der
Haltestelle (Mariadorf Kirche) am Abzweig zur Marienstraße.
Ich steige hier aus
und sehe mitten in dem Waldstück zwischen Marienstraße und Lindenstraße die
alte EBV-Villa, die im Jahr 1900 von der Vereinigungsgesellschaft für den
Steinkohlenbergbau im Wurmrevier, für Führungskräfte auf der Grube Maria,
erbaut wurde. Rund um die Villa steht eine hohe Mauer.
Während meiner Lehrzeit
beim EBV musste ich hier schon einmal vorbeigehen zum Imprägnierwerk, wenn dort
die Säge oder die Schälmaschine ausgefallen war.
Ich warte bis die Tram wieder
abgefahren ist und gehe hinüber zur Blumenrather Straße. Hier ist wieder einmal
etwas komisch. Die Gaststätte "de Üll" (Drehsen) hat die Adresse
Bahnhofstraße 19. Da ist zwar ein Nebeneingang zur Gaststätte aber der
Haupteingang ist für mich eigentlich der Eingang an der Blumenrather Straße.
So kommt es, dass das erste Haus in der Blumenrather Straße
das Textilgeschäft von Marianne Fuchs mit der Hausnummer 2 ist. Direkt links
daneben ist die Metzgerei Kommer. Hier haben wir von der
Maschinen-Hauptwerstätte schon Unmengen von Gehacktes gekauft. Ich muss das
meistens besorgen, genau so wie die Brötchen von der Bäckerei Freisinger auf
der Bahnhofstraße, eine Flasche Bauerdank (Schabau) und säckeweise
Zwiebeln im Rewe-Geschäft von Gerda
Renner auf der Blumenrather Straße. Ich gehe weiter die Blumenrather Straße
entlang bis zum Eingang vom Spielplatz auf der rechten Seite. Direkt hinter dem
Eingang (oder besser gesagt im Eingang zum Spielplatz) ist die Imbißbude vom
legendären "Fritten Karl" Merkelbach.
Der Fritten Karl wird bestimmt
nie einen Preis für Hygiene bekommen aber trotzdem schmecken seine Fritten, die
Currywurst oder auch das Schaschlik besser als sonstwo. Den Großteil seines Umsatzes
macht er mit dem Straßenverkauf am Fenster der Imbißbude. Die gekauften
Portionen werden (wenn sie für zu Hause zum Verzehr vorgesehen sind) in
Zeitungspapier eingewickelt, wodurch ein ganz eigener Geruch entsteht der den
Speisen anhaftet. Da Karl auch sehr korpulent gebaut ist schwitzt er natürlich
immer sehr stark. Deshalb bedient er meist im Unterhemd. Links neben der
"Gaststätte" Merkelbach ist die ZEKA (Zentrales Kaufhaus). Hier kann
man Haushaltswaren jeder Art erstehen.
Direkt daneben ist das erwähnte
Rewe-Geschäft. Ein Stück weiter vor, kurz vor dem Bahnübergang der
Eisenbahnstrecke Herzogenrath - Stolberg ist die Gaststätte Schaffrath (et
Gürksche). Hier hat auch der Kegelclub der Elektriker oft gekegelt und
gegessen.. Das erste Haus hinter den Eisenbahnschranken ist die Eisdiele von
Giovanni Venturi. Das Eis ist ganz gut, aber das beste ist die Musik in seiner
Musikbox. Wir Jugendlichen setzen uns eigentlich nur wegen der Musik für eine
Cola in die Eisdiele. Auf der linken Seite, gegenüber der Eisdiele, ist der
Zaun vom Werksgelände der Maschinen-Hauptwerkstätte. Über diesen Zaun klettere
ich immer um die Besorgungen zu machen. Über die normale Einfahrt kann ich das
Betriebsgelände nicht ungesehen verlassen, weil dort ein Wachmann sitz. Ich gehe
weiter voran und sehe nun auf der linken Seite das Textilwarengeschäft Sieger
und ein Stück weiter die Eisengießerei von Peter Funken. Am Abzweig zur
Beethovenstraße ist das Lebesmittelgeschäft von Maria Berzen.
Auf der rechten
Seite ist die Schneiderei von Leo Grünewald und das Rundfunk- und
Fernsehgeschäft von Willi Reuss. Links sehe ich das Lederwaren Geschäft von
Hermann Breuer. Dann bleibe ich bei der Hausnummer 54 vor der Bäckerei -
Konditorei Kieven stehen. Anton Kieven ist für seine tollen Torten im weiten
Umkreis sehr bekannt. Auch jetzt wieder stehen in der Auslage leckere Torten
wie Sahne-Nuss und Schwarzwälder-Kirsch oder auch frischer Erdbeerkuchen.
Ich gehe weiter und sehe rechts die Drogerie von Heinrich
Hilden und links das Geschäft von Hans Steden für Kohlen- und Heizöl. Ich bin
jetzt an der Bäckerei Gielen angekommen und gehe noch weiter vor bis zur Ecke
der Verbindungsstraße zwischen Blumenrather Straße und West- bzw.
Pestalozzistraße (heute Am neuen Markt).
Hier steht auf der Ecke das Texitlwarengeschäft
von Fritz Albrecht. Bevor ich abbiege schaue ich noch einmal zurück in die
Blumenrather Straße. Da sehe ich noch das Haushaltswaren Geschäft von Peter
Paffen. Zuletzt werfe ich noch einen Blick auf das Haushaltswaren und
Elektrogeschäft von meinem Meister Hermann Küpper in der Blumenratherstraße 122
und auf die beiden Friseurgeschäfte von Lillot und Voßen´s Cheng rechts
daneben. Dann gehe ich das kurze Stück Straße entlang des Mariadorfer
Kirmesplatzes (auf der rechten Seite) bis zur Gaststätte Urth
"Blumenrather Hof"(auf der linken Seite). Vor mir sehe ich einen
größeren Platz. Von links und rechts münden Teile der Weststraße in den Platz
und mir gegenüber sehe ich nun die Einmündung der Pestalozzistraße in den
Platz. Das erste Haus auf der linken Seite der Pestalozzistraße ist die
Bäckerei von Franz Sieger mit der Hausnummer 1.
Direkt daneben mit Hausnummer 3
schließt sich die Gaststätte von Maria Willms an. Im gleichen Haus befindet
sich auch die Metzgerei von Peter Willms. Ich gehe nun weiter vor, an den
Kreuzungen der Pestalozzistraße mit dem Weidenhof und der Talstraße vorbei und
über die Einmündung zur Eichendorffstraße und erreiche schließlich die
Gaststätte von Maria Geller in der Pestalozzistraße 23.
Im Sommer war ich zum
ersten mal nach der Neueröffnung bei Geller. Es spielte da eine lokale Band mit
dem Namen The Dustmen die ich sehr gut fand. Eine Woche später war dort ein
Discoabend und ich hörte dort zum ersten mal in einer enormen Lautstärke den
Song "Gimme some lovin" von der Spencer Davis Group aus dem Jahr
1966. Der Song hat mich echt umgehauen, die Bässe gingen durch Mark und Bein.
Seit dem bin ich schon einmal öfter bei Geller.
Im rechten Nachbarhaus ist das
Lebensmittelgeschäft von Walter Sträter und direkt daneben die Metzgerei von
Karl Breuer. Auf der gegenüber liegenden Seite gibt es noch ein
Schreibwarengeschäft . Ich gehe nun an der Schule vorbei über die
Albert-Schweitzer-Straße hinweg bis zur Kreuzung mit der Poststraße. Ich biege
links ab in die Poststraße. Nach ca. 100m komme ich an dem kleinen Spielplatz
auf der linken Seite vorbei. Es gibt dort eigentlich nur zwei Geräte und eine
geteerte Rollschuhbahn. Am hinteren rechten Ende des Spielplatzes geht es in
eine enge Gasse durch die man die Endstraße erreichen kann. Ich gehe weiter
voran und quere die Bahnlinie Herzogenrath - Stolberg. An der Montanstraße
vorbei gehe ich bis zur Viehaustraße und biege dort rechts ab. Es gibt hier
nur am Anfang und am Ende dieses Teilstückes der Viehaustraße einige Häuser.
Ansonsten ist rechts und links nur Feld und Wiese. Ich gehe bis zum Ende der
Viehaustraße und stehe nun auf dem Bordstein der Aachener Straße direkt vor dem
Lebensmittelgeschäft Besgens. Ich kreuze die Aachener Straße und gehe an der
Total Tankstelle von Krakow und der Gaststätte Merkelbach vorbei die
Michaelstraße entlang bis zur Verbindungsgasse Michaelstraße - Gartenstraße. Am
Ende der Gasse biege ich noch links ab und bin nach wenigen Metern zu Hause.

















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