Donnerstag, 2. April 2020

Spaziergang Begau - Mariadorf im Oktober 1968


Spaziergang im Oktober 1968

Es ist Sonntag der 27. Oktober 1968. Das Wetter ist schon ein paar Wochen sehr durchwachsen. Heute haben wir so um die 10 Grad, bewölkt mit einigen Regenschauern. Als ich durch das Fenster schaue erkenne ich demzufolge ziemlich viel Grau. Trotzdem nehme ich mir meine Jacke und verlasse das Haus. 




Die Auffahrt runter und wie so oft rechts herum gehe ich bis zum Ende der Gartenstraße. Ich biege rechts in die Glück-Auf-Straße ein und anschließend links in die Michaelstraße. Vorbei am Grüngürtel der zuerst links (hinter den Gärten der Glück-Auf-Straße), dann rechts (hinter den Gärten der Barbarastraße) abzweigt sehe ich auf der rechten Seite das Haus des Schusters (der Name ist mir leider entfallen) und auf der linken Seite die Gaststätte Merkelbach. Dann biege ich rechts ab auf die Aachener Straße. An der ehemaligen Papierhandlung Zander bleibe ich kurz stehen und schaue mir die neue Gaststätte Arnolds an. Die Gaststätte hat erst vor 14 Tagen eröffet und ich habe gehört, dass die Currysoße sehr gut schmeckt und das sie besonders dick ist. Ich nehme mir vor dies in Kürze selbst zu testen.




Ich wandere weiter vor bis zum Dreieck. Hier hat sich einiges in den letzten Jahren verändert. Neben dem Futtermittelgeschäft von Beckers ist jetzt die Fahrschule von Rolf Schmidt. Ich quere die Aachener Straße und gehe zu der neuen Telefonzelle vor der Gaststätte Sevenig. Rechts sehe ich den neuen Salon vom Friseur Gottfried Besgens. In der Zelle stöbere ich im Telefonbuch und sehe die Einträge für Beckers Futtermittel Hausnummer 45 und auch den Eintrag für die neue Fahrschule Schmidt mit der Hausnummer 43. Dazu muss man wissen, dass die Aachener Straße am Bürgermeisteramt beginnt. Das Bürgermeisteramt hat somit die Hausnummer 1 und der Hausarzt Dr. Georg Schildgen hat die Hausnummer 5. Seltsamerweise wird die Villa von Dr. Walter Bellingrodt im Telefonbuch unter der Adresse Aachener Straße 12 geführt, obwohl die Einfahrt an der Parkstraße liegt. Ich kann mir das nicht so recht erklären. Ich stöbere weiter und finde den Eintrag von der Gaststätte Walburga Sevenig (Aachener Straße 14) vor der ich gerade stehe. 





Ich schaue durch das Glasfenster auf die Gegenseite. Dort sehe ich links das neu eröffnete Studio Dreieck. Bei der Neueröffnung war Manfred Weidlich persönlich zugegen. Danach habe ich ihn nie mehr gesehen. Seine Frau Marianne Weidlich führte dann die Disco und der Sohn Gerd Weidlich legte die Platten als Disk-Jokey auf (später waren dann noch Pille Jansen und Cesar als Disk-Jokey tätig) . Beim Bedienen der Gäste wurde Marianne von Günter Funk unterstützt. Rechts neben der Disco existiert weiterhin das Kino Metropol welches zur Zeit von Josef Kelleter geführt wird. Weiter rechts daneben (mit immer der gleichen Auslage) das Textilgeschäft Esser-Kelleter. Ganz neu ist in der Hausnummer 33 der Zahnarzt Dr. Dieter Willms. Daneben sehe ich die alte Gaststätte von Matthias Gier. Zwei Häuser weiter ist die Bäckerei Manguay und daneben die Metzgerei von Willi Mertens. Ich verlasse die Telefonzelle und gehe rüber auf die andere Seite. Hinter dem Studio Dreieck biege ich rechts ab zur Straßenbahn-Haltestelle. Nach ca. 10 Minuten kommt die Tram der Linie 28 aus Richtung Eschweiler und hält 5m von mir entfernt. Ich lege nach dem Einsteigen meine Streifenkarte vor und nenne mein Fahrziel "Mariadorf Kirche".Der Tramfahrer drückt nun seinen Stempel darauf. Dann suche ich mir einen freien Sitzplatz. Noch geht es nicht los. Der Tramfahrer muss erst warten bis die Tram aus Richtung Alsdorf ebenfalls eingefahren ist. Nach ein paar Minuten ist das der Fall und die Fahrt beginnt. 




Wir kreuzen die Aachener Straße und fahren an der Bellingrodt-Villa vorbei. Dann geht die rasante Fahrt weiter am "Schwestere Böisch" vorbei bis zum Sportplatz der Mariadorfer Alemannen. Vor dem Eingang in die Sportanlage steht das kleine Restaurant von Johanna Salber. Ich war nur einmal in der Gaststätte nach einem Spiel gegen die Alemannia. Weiter geht es entlang der Bergmanns-Häuser der Parkstraße. Links sieht man jetzt den sogenannten D-Zug. 




 Das ist ein zusammenhängender Gebäudekomplex von EBV-Häusern mit einer gewaltigen Mauer davor. Weil die Häuser eine so lange Kette bilden heißen sie im Volksmund eben "d´r D-Zug". Weiter geht die Fahrt. An der Einmündung zur Querstraße endet die Parkstraße und die Straße heißt ab hier nun Bahnhofstraße. Das erste Haus auf der Ecke Bahnhofstraße - Querstraße ist das Lebensmittelgeschäft der Firma Hillenblink & Co (den meisten wohl eher unter dem Namen HILKO bekannt). 





Auf der linken Seite stehen nun mehrere Hallen der Maschinen-Hauptwerkstätte des EBV. Ich habe dort bisher einige Monate, in der Lehre zum Starkstromelektriker, im E-Betrieb verbracht. Die Arbeit und auch die Kollegen haben mir dort sehr gefallen. Die Fachkenntnisse der Kollegen aber besonders die vom Vorarbeiter Hubert Simon und vom Meister Hermann Küpper haben mich schwer beeindruckt. Auf der rechten Seite sehe ich nun, nachdem wir einige Bergmanns-Häuser passiert haben, das Textilwarengeschäft von Heinz Dohms. Kurz hinter dem Parkplatz der Maschinen-Hauptwerkstätte hält die Tram nun an der Haltestelle (Mariadorf Kirche) am Abzweig zur Marienstraße. 





Ich steige hier aus und sehe mitten in dem Waldstück zwischen Marienstraße und Lindenstraße die alte EBV-Villa, die im Jahr 1900 von der Vereinigungsgesellschaft für den Steinkohlenbergbau im Wurmrevier, für Führungskräfte auf der Grube Maria, erbaut wurde. Rund um die Villa steht eine hohe Mauer. 


Während meiner Lehrzeit beim EBV musste ich hier schon einmal vorbeigehen zum Imprägnierwerk, wenn dort die Säge oder die Schälmaschine ausgefallen war. 

Ich warte bis die Tram wieder abgefahren ist und gehe hinüber zur Blumenrather Straße. Hier ist wieder einmal etwas komisch. Die Gaststätte "de Üll" (Drehsen) hat die Adresse Bahnhofstraße 19. Da ist zwar ein Nebeneingang zur Gaststätte aber der Haupteingang ist für mich eigentlich der Eingang an der Blumenrather Straße.



So kommt es, dass das erste Haus in der Blumenrather Straße das Textilgeschäft von Marianne Fuchs mit der Hausnummer 2 ist. Direkt links daneben ist die Metzgerei Kommer. Hier haben wir von der Maschinen-Hauptwerstätte schon Unmengen von Gehacktes gekauft. Ich muss das meistens besorgen, genau so wie die Brötchen von der Bäckerei Freisinger auf der Bahnhofstraße, eine Flasche Bauerdank (Schabau) und säckeweise Zwiebeln  im Rewe-Geschäft von Gerda Renner auf der Blumenrather Straße. Ich gehe weiter die Blumenrather Straße entlang bis zum Eingang vom Spielplatz auf der rechten Seite. Direkt hinter dem Eingang (oder besser gesagt im Eingang zum Spielplatz) ist die Imbißbude vom legendären "Fritten Karl" Merkelbach. 


Der Fritten Karl wird bestimmt nie einen Preis für Hygiene bekommen aber trotzdem schmecken seine Fritten, die Currywurst oder auch das Schaschlik besser als sonstwo. Den Großteil seines Umsatzes macht er mit dem Straßenverkauf am Fenster der Imbißbude. Die gekauften Portionen werden (wenn sie für zu Hause zum Verzehr vorgesehen sind) in Zeitungspapier eingewickelt, wodurch ein ganz eigener Geruch entsteht der den Speisen anhaftet. Da Karl auch sehr korpulent gebaut ist schwitzt er natürlich immer sehr stark. Deshalb bedient er meist im Unterhemd. Links neben der "Gaststätte" Merkelbach ist die ZEKA (Zentrales Kaufhaus). Hier kann man Haushaltswaren jeder Art erstehen. 


Direkt daneben ist das erwähnte Rewe-Geschäft. Ein Stück weiter vor, kurz vor dem Bahnübergang der Eisenbahnstrecke Herzogenrath - Stolberg ist die Gaststätte Schaffrath (et Gürksche). Hier hat auch der Kegelclub der Elektriker oft gekegelt und gegessen.. Das erste Haus hinter den Eisenbahnschranken ist die Eisdiele von Giovanni Venturi. Das Eis ist ganz gut, aber das beste ist die Musik in seiner Musikbox. Wir Jugendlichen setzen uns eigentlich nur wegen der Musik für eine Cola in die Eisdiele. Auf der linken Seite, gegenüber der Eisdiele, ist der Zaun vom Werksgelände der Maschinen-Hauptwerkstätte. Über diesen Zaun klettere ich immer um die Besorgungen zu machen. Über die normale Einfahrt kann ich das Betriebsgelände nicht ungesehen verlassen, weil dort ein Wachmann sitz. Ich gehe weiter voran und sehe nun auf der linken Seite das Textilwarengeschäft Sieger und ein Stück weiter die Eisengießerei von Peter Funken. Am Abzweig zur Beethovenstraße ist das Lebesmittelgeschäft von Maria Berzen. 



Auf der rechten Seite ist die Schneiderei von Leo Grünewald und das Rundfunk- und Fernsehgeschäft von Willi Reuss. Links sehe ich das Lederwaren Geschäft von Hermann Breuer. Dann bleibe ich bei der Hausnummer 54 vor der Bäckerei - Konditorei Kieven stehen. Anton Kieven ist für seine tollen Torten im weiten Umkreis sehr bekannt. Auch jetzt wieder stehen in der Auslage leckere Torten wie Sahne-Nuss und Schwarzwälder-Kirsch oder auch frischer Erdbeerkuchen.
Ich gehe weiter und sehe rechts die Drogerie von Heinrich Hilden und links das Geschäft von Hans Steden für Kohlen- und Heizöl. Ich bin jetzt an der Bäckerei Gielen angekommen und gehe noch weiter vor bis zur Ecke der Verbindungsstraße zwischen Blumenrather Straße und West- bzw. Pestalozzistraße (heute Am neuen Markt). 




Hier steht auf der Ecke das Texitlwarengeschäft von Fritz Albrecht. Bevor ich abbiege schaue ich noch einmal zurück in die Blumenrather Straße. Da sehe ich noch das Haushaltswaren Geschäft von Peter Paffen. Zuletzt werfe ich noch einen Blick auf das Haushaltswaren und Elektrogeschäft von meinem Meister Hermann Küpper in der Blumenratherstraße 122 und auf die beiden Friseurgeschäfte von Lillot und Voßen´s Cheng rechts daneben. Dann gehe ich das kurze Stück Straße entlang des Mariadorfer Kirmesplatzes (auf der rechten Seite) bis zur Gaststätte Urth "Blumenrather Hof"(auf der linken Seite). Vor mir sehe ich einen größeren Platz. Von links und rechts münden Teile der Weststraße in den Platz und mir gegenüber sehe ich nun die Einmündung der Pestalozzistraße in den Platz. Das erste Haus auf der linken Seite der Pestalozzistraße ist die Bäckerei von Franz Sieger mit der Hausnummer 1. 
 

 Direkt daneben mit Hausnummer 3 schließt sich die Gaststätte von Maria Willms an. Im gleichen Haus befindet sich auch die Metzgerei von Peter Willms. Ich gehe nun weiter vor, an den Kreuzungen der Pestalozzistraße mit dem Weidenhof und der Talstraße vorbei und über die Einmündung zur Eichendorffstraße und erreiche schließlich die Gaststätte von Maria Geller in der Pestalozzistraße 23. 



Im Sommer war ich zum ersten mal nach der Neueröffnung bei Geller. Es spielte da eine lokale Band mit dem Namen The Dustmen die ich sehr gut fand. Eine Woche später war dort ein Discoabend und ich hörte dort zum ersten mal in einer enormen Lautstärke den Song "Gimme some lovin" von der Spencer Davis Group aus dem Jahr 1966. Der Song hat mich echt umgehauen, die Bässe gingen durch Mark und Bein. Seit dem bin ich schon einmal öfter bei Geller. 

Im rechten Nachbarhaus ist das Lebensmittelgeschäft von Walter Sträter und direkt daneben die Metzgerei von Karl Breuer. Auf der gegenüber liegenden Seite gibt es noch ein Schreibwarengeschäft . Ich gehe nun an der Schule vorbei über die Albert-Schweitzer-Straße hinweg bis zur Kreuzung mit der Poststraße. Ich biege links ab in die Poststraße. Nach ca. 100m komme ich an dem kleinen Spielplatz auf der linken Seite vorbei. Es gibt dort eigentlich nur zwei Geräte und eine geteerte Rollschuhbahn. Am hinteren rechten Ende des Spielplatzes geht es in eine enge Gasse durch die man die Endstraße erreichen kann. Ich gehe weiter voran und quere die Bahnlinie Herzogenrath - Stolberg. An der Montanstraße vorbei gehe ich bis zur Viehaustraße und biege dort rechts ab. Es gibt hier nur am Anfang und am Ende dieses Teilstückes der Viehaustraße einige Häuser. Ansonsten ist rechts und links nur Feld und Wiese. Ich gehe bis zum Ende der Viehaustraße und stehe nun auf dem Bordstein der Aachener Straße direkt vor dem Lebensmittelgeschäft Besgens. Ich kreuze die Aachener Straße und gehe an der Total Tankstelle von Krakow und der Gaststätte Merkelbach vorbei die Michaelstraße entlang bis zur Verbindungsgasse Michaelstraße - Gartenstraße. Am Ende der Gasse biege ich noch links ab und bin nach wenigen Metern zu Hause.



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