Sonntag, 5. April 2020

Begau: Erinnerungen an eine schöne Zeit


Meine Heimat Begau: Erinnerungen an eine schöne Zeit.


Von Ende 1961 bis Oktober 1963 wurde auf der Gemeinschaftswiese gegenüber vom Futtermittelgeschäft Lenz neu gebaut. 


               Auf diesem Teil der Gemeinschaftswiese entstanden die neuen Siedlerstellen.


Es entstanden so 23 neue Siedlerstellen (allerdings dieses mal mit sehr wenig Garten) in dem Bereich zwischen Siedlerklause und der Verbindungsgasse Römerweg - Gemeinschaftswiese - Freiheitsstraße. In eine der Siedlerstellen zog unser Lehrer Bolz ein. Die anderen Lehrer und Lehrerinnen wohnten in den Lehrerhäusern in der Ehrenstraße. Obwohl wir es nicht durften haben wir viel in den neuen Baustellen auf der alten Gemeinschaftswiese gespielt. Die Baugrube von einem Neubau direkt hinter der Siedlerklause war nach einem starken Regenfall voll Wasser gelaufen. Wir haben uns aus Holz und Baumaterial ein Floß gebaut und sind durch die Grube gepaddelt. Das hat richtig Spaß gemacht - auch weil es verboten war -.

                                   Es geht umd diesen Teil der ehemaligen Gemeinschaftswiese.


1961 wurde auch der neue Sportplatz auf der bisherigen Gemeinschaftswiese fertig gebaut und der DJK Jugendsport Begau 1948 e.V. übergeben. Um den Sportplatz herum wurde eine neue Straße gebaut (Carl-Diem-Straße  -- heute Johannes Kayen Straße). 1963 bin ich dem Sportverein DJK-Begau beigetreten. Dort spielten in überwiegender Anzahl Begauer Kinder Fussball. Fremde (z.B. aus Hoengen oder Mariadorf) waren die Ausnahme. Aus meiner Klasse spielten z.B. Peter Krichel, Hans Fieber und Matthias Gillißen in der gleichen Mannschaft. Josef Esser (ein Mariadorfer) war unser Torwart. Eine Mannschaft  höher spielten Helmut und Friedhelm Krämer, Siggi Wolter oder auch Werner Brettschneider.Eine Mannschaft tiefer spielten z.B. Norbert Marso, Hans Dickmeis und Edmund Traut.

Im Jahr 1962 wurde auf der Wiese neben der Schule, direkt am Pfadfinder-Kreuz ein Kinder-spielplatz errichtet. Seitlich grenzte der Spielplatz nun an die neu errichtete Carl-Diem-Straße. Das war für uns Kinder ein tolles Ereignis. Zuerst gab es zwar nur Sand und eine Rutschbahn aber es waren bereits mehr Spielgeräte versprochen. 


Etwas später wurde dann auch das Trafohäuschen am Spielplatz erbaut. Ärgerlich war, dass wir in den Schulpausen nicht auf den Spielplatz durften und die Lehrer das auch überwachten, wenn nötig auch bestraften. Zu den Strafen in dieser Zeit gehörten durchaus auch noch neben Strafarbeit die Züchtigung mit dem Rohrstock oder dem Lineal. Ich habe einige Kostproben davon erlebt.



Ab dem Jahr 1962 war die Begau für Kinder richtig interessant. In den Sommermonaten fand das Fussball-Training auf dem Sportplatz statt (im Winter in der Turnhalle in der Jahnstraße). Dann waren da ja noch die Pflichtspiele Samstags. Sonntags haben wir der 1. Mannschaft zugeschaut und dabei die Hitparade oder wenn Samstags Spiele waren auch die großen 8 im Kofferradio gehört. Besonders gut schmeckte uns dabei der Sauerampfer der massenweise rund um den Sportplatz zu finden war. An den anderen Tagen waren wir dann auf dem Kinderspielplatz oder in den Grüngürteln und oft  in den nahen Feldern zu finden. Ein ganz beliebter Treffpunkt war die Bank am Judenfriedhof oder die rote Bank in der Gracht auf dem Weg nach Warden (in de Graat).




 Unvergessen auch die von der DJK veranstalteten Zeltlager z.B. in Adenau am Nürburgring oder auch in Brodenbach an der Mosel.


                                                                   DJK - Zeltlager

Dazu hier eine Passage aus meinem Jahres-Tagebuch:

Das zwanglose Miteinander im Zeltlager tut mir gut. Wir erkunden die nähere Umgebung und machen Adenau unsicher. Auf dem Ring findet ein Formel 1 - Rennen statt (der große Preis von Deutschland), welches wir uns vom Dach einer Scheune aus ansehen. Jack Brabham, John Surtees, Jil Vileneuve und Jochen Rindt sind bald Namen, die jeder von uns kennt. Das Rennen gewinnt schließlich John Surtees vor Graham Hill und Lorenzo Bandini. Zum Ende des Rennens sind wir mit ca. 10 Mann auf dem Dach der Scheune. Durch zu heftige Bewegungen unsererseits bricht die Scheune schließlich in sich zusammen so daß wir innerhalb von Sekunden mit dem Dach auf der Wiese liegen. Zu reparieren ist hier nichts mehr, also Fersengeld, ab ins Lager.

Aus den Kofferradios plärrt ununterbrochen Beat von Dave Dee, den Troggs, den Beatles und den Rolling Stones. Aber alles fing an mit den Songs, Halbstark (The Yankees), Rag doll (The four seasons )und Cadillac (The Renegades)



Im Frühjahr und Sommer waren oft Spielmannszüge zu bestaunen, etwa beim Maifest, Siedlerfest oder Schützenfest. Es war lustig dem Tambourmajor bei seiner Taktgabe zuzuschauen  oder auch den Träger des Schellenbaums zu bewundern. Diese Spielmannszüge wurden regelmäßig von uns Kindern auf ihrem Weg begleitet. Sehr oft haben wir den Klängen der Kapellen am Ehrenmal in der Freiheitsstraße gelauscht. Einige male sind wir auch mit unseren geschmückten Rädern im Zug mitgefahren. In diesen Jahren Anfang der 60er wurde sogar schon einmal ein Zirkus auf der großen Wiese neben der Schule aufgebaut. 





Als dann die Begauer Straßen Mitte der 60er Jahre geteert wurden ergaben sich für uns Kinder noch weitere Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Plötzlich war Rollschuhfahren angesagt und es wurde auf dem Platz Siedlerweg – Ecke Pützbruchstraße oft Hockey gespielt. Fahrrad fahren machte auf den geteerten Straßen auch viel mehr Spaß. Viele von uns gingen in diesen Jahren zur Kommunion und die meisten bekamen dann ein eigenes Rad. Im Winter war es viel besser mit Gleitschuhen auf einer Teerdecke zu fahren als vorher auf den planierten Straßen.



Zurück zum Fussball. Wenn wir ein Heimspiel gewonnen hatten bekamen wir schon einmal eine Limo vom Trainer Bernd Rottmann ausgegeben. Dann gingen wir in der Fussballkluft nach dem Spiel zusammen in die Siedlerklause, die ja nur einen Steinwurf vom Sportplatz entfert lag. Das Sportheim war noch nicht gebaut. An Duschräume war überhaupt nicht zu denken. Nach jedem Training oder Spiel mussten wir uns zu Hause waschen. Damals waren Wüllenweber die Inhaber der Siedlerklause. Ich kann mich noch gut an die drei großen Gläser auf der Theke erinnern. In einem waren Soleier, im zweiten saure Gurken und im dritten Frikadellen. Auch wurden dort des öfteren gesalzene und auch gezuckerte Erdnüsse oder Salzstangen angeboten. Mitte der 60er Jahre wurde die Gaststätte nach links erweitert und es entstand eine Bar. Mit dem großen Saal der Kegelbahn und einem Kickerspiel verfügte die Siedlerklause sehr früh schon über attraktive Freizeitmöglichkeiten. In den späten 60er Jahren hieß der Inhaber dann Kolling.





Als Teenager haben wir in der Siedlerklause auch manch heiße Scheibe auf unseren eigenen Plattenspieler aufgelegt z.B. 1968 Revolution von den Beatles. Im Keller der Schule probte des öfteren die Beatband  The Tigers und am Dreieck machte die erste Disco (Studio Dreieck) auf. Bald folgten weitere Angebote in der näheren Umgebung z.B. der Tatersaal in Warden (Jakobstraße), oder das Moulin Rouge in Aldenhoven. In Haaren war es der Pferdestall, in Merkstein das Derby und in Alsdorf das Tanzlokal Mertens. 



Es war einfach geil in dieser Zeit Teenager zu sein. Mittwochs war Studio-Dreieck Tag. Samstags entweder Studio, Tatersaal oder Moulin Rouge. Sonntags Studio oder Mertens und auch schon einmal Club 21 in Alsdorf. Es gab natürlich noch weitere Discos z.B. in Würselen, Aachen oder in Holland die auch von einigen Jugendlichen der Begau besucht wurden. 











Durch dieses übergroße Angebot hat man sich leider auch mit und mit aus den Augen verloren. Man lernte die erste Freundin oder den ersten Freund kennen und damit lernte man auch neue Leute und ein anderes Umfeld kennen. Die meisten machten auch jetzt eine Ausbildung, gingen arbeiten oder studieren, wodurch man wieder neue Leute kennen lernte und wieder ein neues Umfeld enstand. Viele zogen auch in ein anderes Dorf oder eine andere Stadt. Aber, so ist eben der Lauf der Dinge. Ab und zu treffen wir uns noch bei Klassentreffen. 






Da kann man dann feststellen, dass keiner die damalige Zeit vergessen hat und sie von fast allen noch heute als sehr positiv bewertet wird. Unisono ist die Feststellung "wir hatten eine tolle Kindheit und Jugend auf der Begau". Ausnahmslos alle beneiden deshalb auch die Mitschüler/innen die bis heute noch auf der Begau wohnen dürfen. Jedoch den allergrößten Teil hat es in andere Dörfer oder Städte verschlagen. Was komisch ist: selbst diejenigen die nur ihre Kindheit und Jugend auf der Begau verbracht haben danach aber 40 Jahre und mehr irgendwo anders gelebt haben betrachten heute immer noch die Begau als "ihre" Heimat. Zu denen gehöre ich auch und das wird auch immer so bleiben.



Donnerstag, 2. April 2020

Ein Schultag in Begau

Ein Schultag in Begau
Freitag, der 5. Juni 1964. Hoengen-Begau
7:00 Uhr.

Das Klappern des Briefkastens kündigt den Erhalt der Tageszeitung an. An diesem Freitag lautet die Schlagzeile "Bundestag billigt Ratifikationsgesetz zum Moskauer Atomteststopp-Abkommen", aber das interessiert mich nicht.

Ich blättere weiter. Im Kulturteil lautet die Überschrift "die Popgruppe The Rolling Stones hat ihren ersten Fernsehauftriff während der US-Tournee". Interessiert lese ich den Artikel durch. Die Wetterkarte auf der Rückseite verspricht warme 23 Grad Celsius und eine trockene Wetterlage.
Auf der TV-Seite ist für 21:00 Uhr eine weiter Folge von 77 Sunset Strip mit dem Titel "Geheimstufe 1" angekündigt. Wir Kinder sind alle Fans von Kookie mit seiner Kratzbürstenstimme (die Serie läuft bereits seit dem Januar 1960). Im Sportteil ist ein großer Bericht über den Start der Fussballbundesliga am 22. August zu sehen. Meine beiden Lieblingsvereine 1860 München und der Meidericher SV sollen beide mit Auswärtsspielen (in Braunschweig und Karlsruhe) starten.
Vom 29. Juli bis zum 8. September sind Sommerferien, so dass jeder von uns den Bundesliga-Start mitbekommen kann. 1964 haben bereits sehr viele Familien auf der Begau ein Schwarz-Weiß-Fernsehgerät z.B. von Nordmende, Telefunken, Saba oder Loewe.

7:30 Uhr. Ich nehme mir meine Schultasche und verlasse die Wohnung. Für den Schulweg brauche ich nur 5 Minuten aber wir Schüler quatschen gerne noch etwas vor Schulbeginn. Heute ist das alles überragende Thema die bevorstehende Wanderung zum Nachbardorf Lürken und die Besichtigung der dortigen Ausgrabungen. Normalerweise hätten wir 5 Stunden Unterricht mit Frau Helene Reuter in den Fächern Rechnen, Geschichte, Erdkunde, Naturkunde und Musik gehabt. Diese Tortur wird jetzt zu unserer Zufriedenheit durch die Wanderung ersetzt.

Da die meisten Jungs selbst Fussballer in der DJK-Begau sind unterhalten wir uns noch eine Zeit über den bevorstehenden Bundesliga-Start und die große Unruhe in der Welt der Erwachsenen, denn gerade läuft in ganz Deutschland eine hitzige Debatte um das deutsche Bildungsniveau. Ausgerechnet auf dem Höhepunkt des Wirtschaftswunders droht Deutschland, das Land der Dichter und Denker, intellektuell zu verkümmern. Die Fakten der Experten sind niederschmetternd. Die Zahl der Abiturienten und Studierenden liegt bundesweit unter dem europäischen Durchschnitt und die Ausgaben für Bildung gehen zurück. Ein eklatanter Lehrermangel kündigt sich an, nur jeder 20. Arbeitersohn schafft den Sprung an die Universität.

8:00 Uhr.
Die Schulklingel ertönt. Wir stellen uns vor dem Eingang in Zweierreihen auf und werden dann von Frau Reuter in die Klasse geführt. Hier wird zuerst ein Gebet gesprochen und dann die Anweseheit der Schüler(innen) überprüft. Die Klasse ist vollzählig. Frau Reuter verlässt für 5 Minuten den Klassenraum um sich mit Herrn Moik abzusprechen.
Am 21. März hatte ich mein Zeugnis empfangen und bin seitdem Schüler des 6.ten Schuljahres. Die Klassenlehrerin ist Frau Helene Reuter. Ihre Schwester Katharina Reuter wurde voriges Jahr pensioniert. Ihr Nachfolger als Schulleiter ist Herr Moik.
Zusammen mit dem 7.ten Schuljar stellen wir uns wieder in Zweierreihen auf dem Schulhof auf. Die Spitze der Wandergruppe übernimmt Frau Reuter und Herr Moik bildet die Nachhut.

Vom Schulhof geht es über die Ehrenstraße bergauf, dann rechts in den Alten Römerweg. An allen 4 Querstraßen vorbei bis zum Feldweg hinter der Gartenstraße (heute St.-Jöris Straße). Dort geht es links ab in Richtung Kinzweiler. Noch vor dem Anfang der Pferdegasse in Kinzweiler biegen wir links auf einen Feldweg. Ab jetzt geht es nur noch geradeaus. Wir erreichen die Kinzweiler Burg und überschreiten die Landstraße. Die Burg zu unserer Rechten marschieren wir nun auf der Straße in Richtung Lürken. Kurz vor Lürken treffen wir auf eine Kreuzung. Links geht es nach Warden, geradeaus nach Laurenzberg und rechts sehen wir schon die Häuser von Lürken.

Nach insgesamt gut einer Stunde Gehzeit erreichen wir Lürken. Am Ortseingang führt Frau Reuter uns auf eine Wiese. Hier bekommen wir noch einige Informationen zur Grabungsstätte und auch Anweisungen zu unserem Verhalten im Bereich der Grabungsstätte. Herr Moik referiert daran anschließend:"das rheinische Landesamt für Denkmalpflege hat vor 3 Jahren in der hügeligen Obstwiese der Burg Lürken mit Ausgrabungen begonnen die sich bis in den Spätherbst 1963 hingezogen haben. Es wurden die Reste eines Badetraktes (Hypokaustum) einer römischen Villa rustica ausgegraben. Bei den Ausgrabungen stellte sich heraus, dass auf dem "Alte Burg" genannten Gelände früher tatsächlich eine Motte (mittelalterlicher Burgtyp) gestanden hatte."
Wir gehen weiter zur Grabungsstätte. Mit rot-weißem Flatterband ist die Fundstelle weiträumig abgesperrt. Ungefähr eine Stunde halten wir uns dort auf und lauschen den weiteren Erläuterungen von Herrn Moik. Dann heißt es Rückzug antreten.

Die bereits bekannte Prozedur der Bildung von Zweierreihen läuft ohne Hindernisse ab und wir marschieren zu unserem zweiten Etappenziel, der Wassermühle in Kinzweiler.
Dort angekommen ergreift nun Frau Reuter das Wort:"am Merzbach bestanden in früherer Zeit insgesamt zehn Mühlen. Davon alleine drei in Kinzweiler, was für einen so kleinen Ort eine erstaunliche Tatsache ist. Für die Geschichte des Ortes und seiner Menschen sowie im Hinblick auf die früheren Arbeits- und Produktionsverhältnisse sind die ehemaligen Merzbachmühlen von großer Bedeutung. Auch finden sie Interesse aus architektur- und technikgeschichtlichen Gründen. Die noch erhaltene Obere Mühle sollte wegen dieser Erkenntnisse, aber auch aus wissenschaftlicher Sicht unbedingt vor dem Verfall bewahrt und erhalten bleiben.
Wir stehen hier am süd-westlichen Dorfrand von Kinzweiler in Richtung St. Jöris. Die Obere Mühle, ist die erste am Oberlauf des Merzbaches. Diese Mühle gehörte früher, wie die beiden anderen im Ort auch, zum Besitztum der Kinzweiler Burg. In der geschlossenen Hofanlage steht das Wohn- und Mühlenhaus an der westlichen, schmalen Seite des Hofes. Das Gebäude ist zweigeschossig, sechs-achsig, in Backstein errichtet und mit einem Satteldach versehen. Die Fenster sind mit Holzblockzargen gefasst. Maueranker an der Hofseite weisen die Jahreszahl 1786 aus. An der südlichen Giebelseite (Straßenseite) des Hauses ist der Merzbach vorbeigeführt, der in dem westlich vorgelagerten Mühlenteich aufgestaut wurde. Von allen Mühlen am Merzbach war diese Mühle am längsten in Betrieb. Erst Anfang der 50er Jahre wurde der Mahlbetrieb endgültig eingestellt, wenn letztlich auch nur noch Futtergetreide gemahlen wurde. Das Mühlrad ist baufällig geworden und muss deshalb in nächster Zeit abgebaut werden.

Noch etwas Interessantes möchte ich erwähnen. Am 4. August 1941 wurde hier an der oberen Mühle in Kinzweiler beim Ausheben eines Grabens ein umfangreicher Münzschatz entdeckt, der in einem rheinischen Henkelkrug in etwa 60 cm Tiefe vergraben lag. Die Vergrabungs-stelle scheint nicht willkürlich gewählt zu sein, denn sie war eindeutig bestimmt und hätte für den Eingeweihten die Wiederfindung leicht möglich gemacht, wenn man einmal davon ausgeht, daß die Mühle damals bereits bestanden hat. Der Schatz lag in genauer Verlängerung der Achse des Mühlrades und von diesem genau 5 m entfernt. Offenbar war es dem früheren Besitzer nicht mehr vergönnt gewesen, seinen Schatz wieder an sich zu nehmen. Der Henkel-krug enthielt insgesamt 382 Münzen aus der Zeit von 1475 bis 1613."

Nach soviel Informationen hoffen wir auf dem Rückweg unsere Köpfe wieder frei zu bekommen. Wir gehen ein kleines Stück zurück auf der Kirchstraße und biegen dann nach links in die Pferdegasse ein. Am Ende der Pferdegasse folgen wir dem Feldweg der uns wieder zur Begau führt. Als wir wieder in unserem Klassenraum sind ist es bereits 12:30 Uhr. Als Hausaufgabe sollen wir einen Aufsatz über die heutige Wanderung verfassen und wahlweise das Bild einer Burg oder einer Wassermühle malen. Nach einigem Murren lässt uns Frau Reuter auch dann nach Hause gehen.
Den Heimweg treten wir in kleinen Grüppchen an. Ich gehe mit Gusti und Hansi Fieber sowie Helmut Kahmann die Freiheitsstraße in Richtung Michaelstraße entlang. An Fiebers Haus biege ich links in die Gasse ein und laufe am neuen Sportplatz entlang bis zur Straße am Neubaugebiet. Dort biege ich rechts ab und laufe die Gasse zwischen Michaelstraße und Gartenstraße am Bach entlang. Dann bin ich zu Hause und ziehe mich erst einmal in mein Zimmer zurück. Noch ist alles frisch, also schreibe ich auf einem Schmierblatt schon einmal den Aufsatz vor. Ich werde ihn dann am Abend ins Schreibheft übertragen. Jetzt geht es aber erst einmal in die Küche zum Mittagessen und dann nichts wie raus - endlich Fussball spielen.

Ein Spaziergang von Begau nach Warden im Jahr 1968.

Ein Spaziergang von Begau nach Warden im Jahr 1968.

Es ist Sonntag der 28. Juli 1968 gegen 11:00 Uhr. Es ist leicht bewölkt bei ca. 19 Grad Celsius. Bestes Spaziergehwetter. Ich starte wie immer in der Gartenstraße 13 in Hoengen/Begau. Ich gehe die Gartenstraße rechts hoch bis zur Glück Auf Straße. Links kann ich das noch relativ neue Gebäude der Firma 3 Pagen sehen. Ich biege aber rechts ab und gehe bis zum Ende der Glück Auf Straße. Dann gehe ich ein Stück links in die Michaelstraße hinein und sofort wieder rechts in die Barbarastraße. Vorbei am Haus meines ehemaligen Mitschülers Gerhard Heffels gehe ich vor bis zur Verbindungs-gasse Barbarastraße - Freiheitsstraße



Ich schaue in die Gasse hinein und kann sehen, dass Fiebers Fred in seinem Garten arbeitet. Ich gehe an den Häusern der Familien Hollenbrock, Plikat und Strecker (alles ehemalige Schulkameradinnen und Schulkameraden) weiter vor bis zur zweiten Verbindungsgasse Barbarastraße - Freiheitsstraße. Auch in diese Gasse schaue ich hinein, kann aber niemanden sehen. Am Ende der Gasse auf der linken Seite wohnen meine Großeltern Oskar und Erna Palm, in der Freiheitsstraße Nr. 4. Ich gehe nun bis zum Ende der (großen) Barbarastraße und biege dann links in die Ehrenstraße ab. Ich gehe rüber zum Bürgersteig vor der Gaststätte "zum Heidekrug" und setze meinen Weg fort bis hinter dem Gebäude vom Architekten Poensgen. Nach einem Blick auf die Begauer Kirche St. Michael biege ich rechts in die Hermann-Löns-Straße ein.


Die Hermann-Löns-Straße gibt es erst seit Anfang der 60er-Jahre. Vorher war dort nur ein Feldweg den viele Begauer als Abkürzung nutzten zur Straßenbahn-Haltestelle am Dreieck. 




Ich laufe die Straße entlang. Auf der rechten Seite am Ende der Hermann-Löns-Straße - Ecke Randstraße steht das Lebensmittel-Geschäft von Johanna Lazogga. Bei ihr kaufe ich schon einmal etwas zu trinken oder Zigaretten. Nachdem ich das Haus von Heinz Wolter auf der linken Seite passiert habe (es ist das letzte Haus der Hermann-Löns-Straße) folge ich der Teerstraße in Richtung Warden. Nach wenigen Metern überquere ich die Schienen der Straßenbahn Linie 28 Eschweiler - Alsdorf. Rechts und links der Straße sind große Felder. Etwas weiter links kann ich ein paar Häuser der Vogelsiedlung, das Bürgermeisteramt und die Feuerwehrhalle sehen.



Im Gebäude der Feuerwehr wohnt meine Mitschülerin Brigitte Michels mit ihrer Familie. Rechts ziehen sich die Felder bis zum Sportplatz in Warden und mitten durch die Felder verlaufen in zwei großen Kurven die Schienen der Straßenbahn. Die Straße macht nun einen längeren Bogen nach rechts und stößt schließlich auf die Wardener Straße......... [Ein Teil dieser Straße führt noch heute als Fußgängerweg an der Autobahn vorbei nach Warden. Die Wardener Straße (heute "Alte Wardener Straße") führte abzweigend von der B1 (Aachener Straße) vom Bürgermeisteramt durch die Felder nach Warden. Ungefähr auf halbem Weg kam dann die Abzweigung zur Begau] ......

Zuerst einmal bleibe ich an diesem Punkt stehen und schaue mich um. Ein eigenartiges, nein ein schönes Gefühl erlebe ich bei meinem Rundumblick. Ich stehe mitten in den Feldern. Weit und breit nur Gerste, Roggen und Weizen. Hinter mir die Begauer Kirche und einige Dächer, vor mir der Blick in Richtung Hoengen zeigt nur Felder. Links die Dächer der Vogelsiedlung und rechts, noch ein gutes Stück weg, die Häuser von Warden.

Ich folge nun der Wardener Straße bis ich die ersten Häuser von Warden erreiche. Das erste Haus auf der rechten Seite ist das Lebensmittelgeschäft von Johanna Brehm an der Ecke Wardener Straße - Kinzweilerstraße. Ein Haus weiter ist das Friseurgeschäft von Winand und Agnes Brehm. Ich gehe weiter vorwärts bis zur Einmündung in die Teutonenstraße. Hier auf der Ecke ist das Lebensmittelgeschäft von Elsa Schnitzler. Ich gehe weiter vor. Auf der linken Seite ist das Haus von Peter Büttgen.



 Ich habe Peter in der Hauptwerkstatt Maria II während meiner Ausbildung kennen gelernt. Er arbeitet dort als Dreher in der Dreherei. Nebenbei hat er noch eine Versicherungsagentur der Gothaer-Versicherung. Nun gehe ich bis zum Ehrenfriedhof und setze mich dort auf die Mauer. Gegenüber ist das Putz- und Stuckgeschäft von Franz Schmitz. Ich kann jetzt noch nicht wissen, dass ich 34 Jahre später dieses Haus kaufen werde.

 



Weiter geht es bis zum Ende der Wardener Straße. Rechts in Haus Nr. 1 wohnt der Gemeinde Direktor Johann Kayen. 



Ich biege nun rechts in die Goethestraße ein. Vorbei an der Autolackiererei Hofmann und dem Friseurgeschäft Flecken gehe ich bis zur Kreuzung der Goethestraße mit der Jakobstraße und der Annastraße. Links auf der Ecke steht die Gaststätte "zum alten Gericht". Links führt auch die Annastraße (heute "Am alten Gericht") in Richtung Aldenhoven. Am Anfang der Annastraße steht rechts das "alte Gericht" - das Gebäude wird aus dem 17/18-Jahrhundert geschätzt -.



Etwas weiter vor in Richtung Aldenhoven ist dann ebenfalls auf der rechten Seite die Schule von Warden. 



Die Annastraße ist unser Weg, wenn wir im Sommer mit den Rädern zum Freibad in Aldenhoven fahren. Dieser Radweg macht mir immer Spaß weil er nur durch Felder führt. Auf meiner Seite an der Kreuzung ist die Gaststätte "zur alten Schmiede" von Eduard und Käthe Waschek. In dieser Gaststätte habe ich schon oft mit Schulkameraden aus der Begau Kicker gespielt. Gegenüber in der Jakobstraße Nr. 1 sehe ich die Metzgerei Hommelsheim. Ich biege rechts in die Jakobstraße ein. Im ersten Haus mit der Hausnummer 2 auf der rechten Seite ist das Haushaltswarengeschäft von Christel Schmitz. Danach folgt der Konsum. Ich gehe weiter vor und erreiche den Tatersaal. Man hört Stimmen und Geklirre von Gläsern der Frühschoppen-Gäste. Der Tatersaal hat erst vor kurzem neu eröffnet. Am Wochenende spielen dort regelmäßig lokale Bands. In letzter Zeit bin ich Samstags schon einmal da.



 The Heads

Ich gehe weiter am Geschäft Müssgens (Bettenwaren, Lederwaren, Innenausstattung und Dekoration) vorbei. Auf der linken Seite sehe ich jetzt das Haus der Familie Breuer in der Jakobstraße 27. Meine Tante Hanni Breuer wohnt dort mit meinem Onkel Fritz und ihren zwei Kindern Christiane und Matthias .Vor drei Jahren ist ihr ältester Sohn, mein Vetter Jacki, als Fussgänger von einem Auto auf der Landstraße Richtung Kinzweiler totgefahren worden. Ich gehe weiter vor bis zur Bäckerei von Josef Offermanns. Zwei Frauen stehen an der Ladentheke und sprechen mit der Verkäuferin. Da geht es bestimmt um den Sonntagskuchen. Ich gehe weiter am Brennstoffhandel Roth vorbei bis zum Abzweig in die Kinzweilerstraße. Hier steht das Geschäft der Gärtnerei Thelen. Wie immer ist das Schaufenster schön dekoriert. Ich biege rechts in die Kinzweilerstraße ein und folge ihr durch die nächste Linkskurve. Geradeaus geht es nun in die Quellenstraße hinein während die Kinzweilerstraße rechts weiter verläuft. Am Dachdeckermeister Peter Lothmann gehe ich vorbei bis zum Ende der Quellenstraße wo sich der Sportplatz von Eintracht Warden befindet.


Mit der DJK-Begau habe ich zweimal auf diesem Platz gespielt. Rechts vor dem Sportplatz ist noch die Gaststätte Schüller. Ich gehe weiter geradeaus bis zur Haltestelle der Straßenbahn. Dort gibt es einen Trampelpfad über den man den Feldweg zwischen Warden und Begau erreicht. Diesen Feldweg gehe ich nun am Wardener Bach entlang in Richtung Begau. Rechts kann ich die Baracke vom roten Pauly sehen. Ich weiß eigentlich gar nicht richtig warum er in der Begau so einen schlechten Ruf hat. Aber alle Eltern warnen ihre Kinder, der Baracke nur ja nicht zu nahe zu kommen. 



Rechts kann ich nun die Häuser der Randsiedlung sehen und die Litfaßsäule an unserem ehemaligen Rollschuhplatz Ecke Heideweg und Pützbruchstraße. Ich biege nun aber links ab in Richtung Judenfriedhof. 


Rechts zieht sich das Feld bis zur Ehrenstraße. Ich kann die Giebel der Lehrerhäuser vom Feldweg aus sehen. Links erstreckt sich das Feld bis zur Straßenbahn-Haltestelle in Warden. Gegenüber vom Judenfriedhof setze ich mich für ein Päuschen auf die unter hohen Pappeln stehende "rote" Bank. Das Eingangstor vom Judenfriedhof steht sperrangelweit auf. Diese Ecke der Begau ist ein Treffpunkt für die Begauer Kinder. Hier ist man meist ungestört und vor neugierigen Blicken durch viele Sträucher und Bäume geschützt. Leider ist jetzt gerade niemand hier so dass ich mich nach einer kleinen Pause wieder auf den Weg mache. Ich gehe das ansteigende kurze Reststück des Feldweges weiter und biege rechts in den alten Römerweg ein. Ich schaue nach links und sehe in einiger Entfernung die Brücke der Straßenbahnlinie 28. Viel weiter hinten sind die ersten Häuser der Wardener Jakobstraße zu erkennen. Der alte Römerweg ist die Verbindungsstraße von der Begau zur Wardener Jakobstraße. Erst vor kurzem wurde dieser Verbindungsweg zur Straße ausgebaut und geteert. Am Friedhof vorbei erreiche ich die Einmündung der Ehrenstraße. Rechts stehen hier die drei Lehrerhäuser. Ich quere die Ehrenstraße und wechsele auf den Bürgersteig vom "Alter Römerweg". Dort bleibe ich einen Augenblick stehen und schaue mir das verbliebene Stück Wiese zwischen Carl-Diem-Straße und "Alter Römerweg" an. 




Viel ist es nicht mehr denn unten an der Carl-Diem-Straße stehen schon einige Häuser auf der ehemaligen Gemeinschaftswiese. Eines der Häuser ist das der Familie Zöller. Joachim Zöller war ein Schulkamerad, der erst kürzlich mit seinem Moped tödlich verunglückt ist. Ich sehe das Trafo-Häuschen und den 1962 errichteten Spielplatz auf dem einige Kinder spielen. Ich folge dem alten Römerweg bis zur Gartenstraße und biege dort rechts ab. Nach wenigen Metern habe ich mein Elternhaus wieder erreicht. Jetzt ein gutes Mittagessen denn so langsam meldet sich der Hunger. Anschließend werde ich wohl auf eine Cola in die Siedlerklause gehen. Vielleicht treffe ich ja jemanden zum Kickerspielen.






Spaziergang Begau - Mariadorf im Oktober 1968


Spaziergang im Oktober 1968

Es ist Sonntag der 27. Oktober 1968. Das Wetter ist schon ein paar Wochen sehr durchwachsen. Heute haben wir so um die 10 Grad, bewölkt mit einigen Regenschauern. Als ich durch das Fenster schaue erkenne ich demzufolge ziemlich viel Grau. Trotzdem nehme ich mir meine Jacke und verlasse das Haus. 




Die Auffahrt runter und wie so oft rechts herum gehe ich bis zum Ende der Gartenstraße. Ich biege rechts in die Glück-Auf-Straße ein und anschließend links in die Michaelstraße. Vorbei am Grüngürtel der zuerst links (hinter den Gärten der Glück-Auf-Straße), dann rechts (hinter den Gärten der Barbarastraße) abzweigt sehe ich auf der rechten Seite das Haus des Schusters (der Name ist mir leider entfallen) und auf der linken Seite die Gaststätte Merkelbach. Dann biege ich rechts ab auf die Aachener Straße. An der ehemaligen Papierhandlung Zander bleibe ich kurz stehen und schaue mir die neue Gaststätte Arnolds an. Die Gaststätte hat erst vor 14 Tagen eröffet und ich habe gehört, dass die Currysoße sehr gut schmeckt und das sie besonders dick ist. Ich nehme mir vor dies in Kürze selbst zu testen.




Ich wandere weiter vor bis zum Dreieck. Hier hat sich einiges in den letzten Jahren verändert. Neben dem Futtermittelgeschäft von Beckers ist jetzt die Fahrschule von Rolf Schmidt. Ich quere die Aachener Straße und gehe zu der neuen Telefonzelle vor der Gaststätte Sevenig. Rechts sehe ich den neuen Salon vom Friseur Gottfried Besgens. In der Zelle stöbere ich im Telefonbuch und sehe die Einträge für Beckers Futtermittel Hausnummer 45 und auch den Eintrag für die neue Fahrschule Schmidt mit der Hausnummer 43. Dazu muss man wissen, dass die Aachener Straße am Bürgermeisteramt beginnt. Das Bürgermeisteramt hat somit die Hausnummer 1 und der Hausarzt Dr. Georg Schildgen hat die Hausnummer 5. Seltsamerweise wird die Villa von Dr. Walter Bellingrodt im Telefonbuch unter der Adresse Aachener Straße 12 geführt, obwohl die Einfahrt an der Parkstraße liegt. Ich kann mir das nicht so recht erklären. Ich stöbere weiter und finde den Eintrag von der Gaststätte Walburga Sevenig (Aachener Straße 14) vor der ich gerade stehe. 





Ich schaue durch das Glasfenster auf die Gegenseite. Dort sehe ich links das neu eröffnete Studio Dreieck. Bei der Neueröffnung war Manfred Weidlich persönlich zugegen. Danach habe ich ihn nie mehr gesehen. Seine Frau Marianne Weidlich führte dann die Disco und der Sohn Gerd Weidlich legte die Platten als Disk-Jokey auf (später waren dann noch Pille Jansen und Cesar als Disk-Jokey tätig) . Beim Bedienen der Gäste wurde Marianne von Günter Funk unterstützt. Rechts neben der Disco existiert weiterhin das Kino Metropol welches zur Zeit von Josef Kelleter geführt wird. Weiter rechts daneben (mit immer der gleichen Auslage) das Textilgeschäft Esser-Kelleter. Ganz neu ist in der Hausnummer 33 der Zahnarzt Dr. Dieter Willms. Daneben sehe ich die alte Gaststätte von Matthias Gier. Zwei Häuser weiter ist die Bäckerei Manguay und daneben die Metzgerei von Willi Mertens. Ich verlasse die Telefonzelle und gehe rüber auf die andere Seite. Hinter dem Studio Dreieck biege ich rechts ab zur Straßenbahn-Haltestelle. Nach ca. 10 Minuten kommt die Tram der Linie 28 aus Richtung Eschweiler und hält 5m von mir entfernt. Ich lege nach dem Einsteigen meine Streifenkarte vor und nenne mein Fahrziel "Mariadorf Kirche".Der Tramfahrer drückt nun seinen Stempel darauf. Dann suche ich mir einen freien Sitzplatz. Noch geht es nicht los. Der Tramfahrer muss erst warten bis die Tram aus Richtung Alsdorf ebenfalls eingefahren ist. Nach ein paar Minuten ist das der Fall und die Fahrt beginnt. 




Wir kreuzen die Aachener Straße und fahren an der Bellingrodt-Villa vorbei. Dann geht die rasante Fahrt weiter am "Schwestere Böisch" vorbei bis zum Sportplatz der Mariadorfer Alemannen. Vor dem Eingang in die Sportanlage steht das kleine Restaurant von Johanna Salber. Ich war nur einmal in der Gaststätte nach einem Spiel gegen die Alemannia. Weiter geht es entlang der Bergmanns-Häuser der Parkstraße. Links sieht man jetzt den sogenannten D-Zug. 




 Das ist ein zusammenhängender Gebäudekomplex von EBV-Häusern mit einer gewaltigen Mauer davor. Weil die Häuser eine so lange Kette bilden heißen sie im Volksmund eben "d´r D-Zug". Weiter geht die Fahrt. An der Einmündung zur Querstraße endet die Parkstraße und die Straße heißt ab hier nun Bahnhofstraße. Das erste Haus auf der Ecke Bahnhofstraße - Querstraße ist das Lebensmittelgeschäft der Firma Hillenblink & Co (den meisten wohl eher unter dem Namen HILKO bekannt). 





Auf der linken Seite stehen nun mehrere Hallen der Maschinen-Hauptwerkstätte des EBV. Ich habe dort bisher einige Monate, in der Lehre zum Starkstromelektriker, im E-Betrieb verbracht. Die Arbeit und auch die Kollegen haben mir dort sehr gefallen. Die Fachkenntnisse der Kollegen aber besonders die vom Vorarbeiter Hubert Simon und vom Meister Hermann Küpper haben mich schwer beeindruckt. Auf der rechten Seite sehe ich nun, nachdem wir einige Bergmanns-Häuser passiert haben, das Textilwarengeschäft von Heinz Dohms. Kurz hinter dem Parkplatz der Maschinen-Hauptwerkstätte hält die Tram nun an der Haltestelle (Mariadorf Kirche) am Abzweig zur Marienstraße. 





Ich steige hier aus und sehe mitten in dem Waldstück zwischen Marienstraße und Lindenstraße die alte EBV-Villa, die im Jahr 1900 von der Vereinigungsgesellschaft für den Steinkohlenbergbau im Wurmrevier, für Führungskräfte auf der Grube Maria, erbaut wurde. Rund um die Villa steht eine hohe Mauer. 


Während meiner Lehrzeit beim EBV musste ich hier schon einmal vorbeigehen zum Imprägnierwerk, wenn dort die Säge oder die Schälmaschine ausgefallen war. 

Ich warte bis die Tram wieder abgefahren ist und gehe hinüber zur Blumenrather Straße. Hier ist wieder einmal etwas komisch. Die Gaststätte "de Üll" (Drehsen) hat die Adresse Bahnhofstraße 19. Da ist zwar ein Nebeneingang zur Gaststätte aber der Haupteingang ist für mich eigentlich der Eingang an der Blumenrather Straße.



So kommt es, dass das erste Haus in der Blumenrather Straße das Textilgeschäft von Marianne Fuchs mit der Hausnummer 2 ist. Direkt links daneben ist die Metzgerei Kommer. Hier haben wir von der Maschinen-Hauptwerstätte schon Unmengen von Gehacktes gekauft. Ich muss das meistens besorgen, genau so wie die Brötchen von der Bäckerei Freisinger auf der Bahnhofstraße, eine Flasche Bauerdank (Schabau) und säckeweise Zwiebeln  im Rewe-Geschäft von Gerda Renner auf der Blumenrather Straße. Ich gehe weiter die Blumenrather Straße entlang bis zum Eingang vom Spielplatz auf der rechten Seite. Direkt hinter dem Eingang (oder besser gesagt im Eingang zum Spielplatz) ist die Imbißbude vom legendären "Fritten Karl" Merkelbach. 


Der Fritten Karl wird bestimmt nie einen Preis für Hygiene bekommen aber trotzdem schmecken seine Fritten, die Currywurst oder auch das Schaschlik besser als sonstwo. Den Großteil seines Umsatzes macht er mit dem Straßenverkauf am Fenster der Imbißbude. Die gekauften Portionen werden (wenn sie für zu Hause zum Verzehr vorgesehen sind) in Zeitungspapier eingewickelt, wodurch ein ganz eigener Geruch entsteht der den Speisen anhaftet. Da Karl auch sehr korpulent gebaut ist schwitzt er natürlich immer sehr stark. Deshalb bedient er meist im Unterhemd. Links neben der "Gaststätte" Merkelbach ist die ZEKA (Zentrales Kaufhaus). Hier kann man Haushaltswaren jeder Art erstehen. 


Direkt daneben ist das erwähnte Rewe-Geschäft. Ein Stück weiter vor, kurz vor dem Bahnübergang der Eisenbahnstrecke Herzogenrath - Stolberg ist die Gaststätte Schaffrath (et Gürksche). Hier hat auch der Kegelclub der Elektriker oft gekegelt und gegessen.. Das erste Haus hinter den Eisenbahnschranken ist die Eisdiele von Giovanni Venturi. Das Eis ist ganz gut, aber das beste ist die Musik in seiner Musikbox. Wir Jugendlichen setzen uns eigentlich nur wegen der Musik für eine Cola in die Eisdiele. Auf der linken Seite, gegenüber der Eisdiele, ist der Zaun vom Werksgelände der Maschinen-Hauptwerkstätte. Über diesen Zaun klettere ich immer um die Besorgungen zu machen. Über die normale Einfahrt kann ich das Betriebsgelände nicht ungesehen verlassen, weil dort ein Wachmann sitz. Ich gehe weiter voran und sehe nun auf der linken Seite das Textilwarengeschäft Sieger und ein Stück weiter die Eisengießerei von Peter Funken. Am Abzweig zur Beethovenstraße ist das Lebesmittelgeschäft von Maria Berzen. 



Auf der rechten Seite ist die Schneiderei von Leo Grünewald und das Rundfunk- und Fernsehgeschäft von Willi Reuss. Links sehe ich das Lederwaren Geschäft von Hermann Breuer. Dann bleibe ich bei der Hausnummer 54 vor der Bäckerei - Konditorei Kieven stehen. Anton Kieven ist für seine tollen Torten im weiten Umkreis sehr bekannt. Auch jetzt wieder stehen in der Auslage leckere Torten wie Sahne-Nuss und Schwarzwälder-Kirsch oder auch frischer Erdbeerkuchen.
Ich gehe weiter und sehe rechts die Drogerie von Heinrich Hilden und links das Geschäft von Hans Steden für Kohlen- und Heizöl. Ich bin jetzt an der Bäckerei Gielen angekommen und gehe noch weiter vor bis zur Ecke der Verbindungsstraße zwischen Blumenrather Straße und West- bzw. Pestalozzistraße (heute Am neuen Markt). 




Hier steht auf der Ecke das Texitlwarengeschäft von Fritz Albrecht. Bevor ich abbiege schaue ich noch einmal zurück in die Blumenrather Straße. Da sehe ich noch das Haushaltswaren Geschäft von Peter Paffen. Zuletzt werfe ich noch einen Blick auf das Haushaltswaren und Elektrogeschäft von meinem Meister Hermann Küpper in der Blumenratherstraße 122 und auf die beiden Friseurgeschäfte von Lillot und Voßen´s Cheng rechts daneben. Dann gehe ich das kurze Stück Straße entlang des Mariadorfer Kirmesplatzes (auf der rechten Seite) bis zur Gaststätte Urth "Blumenrather Hof"(auf der linken Seite). Vor mir sehe ich einen größeren Platz. Von links und rechts münden Teile der Weststraße in den Platz und mir gegenüber sehe ich nun die Einmündung der Pestalozzistraße in den Platz. Das erste Haus auf der linken Seite der Pestalozzistraße ist die Bäckerei von Franz Sieger mit der Hausnummer 1. 
 

 Direkt daneben mit Hausnummer 3 schließt sich die Gaststätte von Maria Willms an. Im gleichen Haus befindet sich auch die Metzgerei von Peter Willms. Ich gehe nun weiter vor, an den Kreuzungen der Pestalozzistraße mit dem Weidenhof und der Talstraße vorbei und über die Einmündung zur Eichendorffstraße und erreiche schließlich die Gaststätte von Maria Geller in der Pestalozzistraße 23. 



Im Sommer war ich zum ersten mal nach der Neueröffnung bei Geller. Es spielte da eine lokale Band mit dem Namen The Dustmen die ich sehr gut fand. Eine Woche später war dort ein Discoabend und ich hörte dort zum ersten mal in einer enormen Lautstärke den Song "Gimme some lovin" von der Spencer Davis Group aus dem Jahr 1966. Der Song hat mich echt umgehauen, die Bässe gingen durch Mark und Bein. Seit dem bin ich schon einmal öfter bei Geller. 

Im rechten Nachbarhaus ist das Lebensmittelgeschäft von Walter Sträter und direkt daneben die Metzgerei von Karl Breuer. Auf der gegenüber liegenden Seite gibt es noch ein Schreibwarengeschäft . Ich gehe nun an der Schule vorbei über die Albert-Schweitzer-Straße hinweg bis zur Kreuzung mit der Poststraße. Ich biege links ab in die Poststraße. Nach ca. 100m komme ich an dem kleinen Spielplatz auf der linken Seite vorbei. Es gibt dort eigentlich nur zwei Geräte und eine geteerte Rollschuhbahn. Am hinteren rechten Ende des Spielplatzes geht es in eine enge Gasse durch die man die Endstraße erreichen kann. Ich gehe weiter voran und quere die Bahnlinie Herzogenrath - Stolberg. An der Montanstraße vorbei gehe ich bis zur Viehaustraße und biege dort rechts ab. Es gibt hier nur am Anfang und am Ende dieses Teilstückes der Viehaustraße einige Häuser. Ansonsten ist rechts und links nur Feld und Wiese. Ich gehe bis zum Ende der Viehaustraße und stehe nun auf dem Bordstein der Aachener Straße direkt vor dem Lebensmittelgeschäft Besgens. Ich kreuze die Aachener Straße und gehe an der Total Tankstelle von Krakow und der Gaststätte Merkelbach vorbei die Michaelstraße entlang bis zur Verbindungsgasse Michaelstraße - Gartenstraße. Am Ende der Gasse biege ich noch links ab und bin nach wenigen Metern zu Hause.