Mittwoch, 1. April 2020

Ein kalter Winter in Begau




Ein kalter Winter in Begau



Der Winter 1962/63 gehörte mit den zwei strengen Kriegswintern von 1939/40 sowie 1941/42 und dem Nachkriegswinter 1946/47 zu einer klimatologischen Kühlphase, die vom Ende der 1930er bis in die späteren 1960er Jahre andauerte.


Den ganzen Morgen hatte es geschneit. Endlich. Auf den Fensterbänken unseres Klassen-zimmers lag 15 cm hoch der Schnee. Wir konnten das Ende dieses Schultages noch weniger abwarten als sonst. Ganz aufgeregt waren wir, als endlich die Schulglocke ertönte. „Ich freue mich ja so sehr auf den Schnee“, rief Gehard. „Ich auch“, lachte Leo. Er bückte sich, schaufelte Schnee in beide Hände und warf ihn als dicken Flockenwirbel über Gerhard´s Kopf. Plötzlich machten die anderen das auch und schon war die schönste Schneeballschlacht zugange. Mädchen gegen Jungen und Jungen gegen alle. Keiner konnte gewinnen, aber einen Riesenspaß machte es.

Dann kämpften wir uns zu dritt durch die zugescheite Gemeinschaftswiese in Richtung Michaelstraße vor. Der Trampelpfad war nicht mehr zu erkennen. Die Hecken und Gärten der Häuser im „alten Römerweg“ und in der Freiheitsstraße lagen voll mit Schnee. Weit vor uns hingen die Eiszapfen am Kandel der Futtermittelhandlung Lenz. Wieso wir nicht über die Straße gingen? Warum sollte das besser sein? Einen Räumdienst gab es noch nicht. Die Freiheitsstraße lag genauso mit Schnee zu wie die Gemeinschaftswiese. Außerdem war ein echtes, fahrendes Auto in der Begau immer noch eine Sensation. Es gab also auch keine plattgefahrene Reifenspur auf der es leichter zu gehen gewesen wäre.

Am Ende der Gemeinschaftswiese, genau gegenüber von Lederwaren Emunds, bauten wir noch auf die Schnelle einen Schneemann. Matthias wollte später dann noch die unentbehr-lichen Utensilien für den Schneemann besorgen also eine Möhre als Nase, einen alten Topf als Kopfbedeckung, einen Besen und vor allen Dingen ca. 20 Kohlestücke für Augen, Mund und Knöpfe.





Danach lief ich aber zuerst schnell nach Hause. Ich wollte unbedingt die neuen Gleitschuhe ausprobieren die ich zu Weihnachten bekommen hatte. Mein Onkel half mir beim Einstellen der Größe und machte dann auch noch die Schnallen zu. Ab ging´s und rums lag ich schon im Schnee. Die nächsten Stunden verbrachte ich damit die Gartenstraße von einem Ende zum anderen Ende mit Gleitschuhen zu erkunden. Die Sonne war nun auch rausgekommen. Es sah toll aus, wenn der Schnee von den Bäumen fiel. Das gefiel mir so gut, dass ich nun anfing mit Schneebällen auf die Bäume zu werfen, nur um den Schnee fallen zu sehen. Inzwischen waren schon einige Nachbarskinder auf die Straße gekommen und überall hörte man frohes Lachen. Die Erwachsenen schaufelten ihre Einfahrten oder die Gehwege frei und hielten den einen oder anderen Plausch.

Am Abend lag ich in meinem Bett und dachte an den schönen Tag zurück. Hell glitzerten die Eisblumen im Mondlicht an meinem Fenster. Draußen schneite es schon wieder.Das Zimmer war eiskalt aber das machte nichts denn ich hatte eine Wärmeflasche bekommen. Dann las ich noch ein paar Seiten Karl May „Winnetou I“, löschte das Licht und schlief sofort ein.



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