Meine Heimat Begau: Erinnerungen an eine schöne Zeit.
Von Ende 1961 bis Oktober 1963 wurde auf der
Gemeinschaftswiese gegenüber vom Futtermittelgeschäft Lenz neu gebaut.
Auf diesem Teil der Gemeinschaftswiese entstanden die neuen Siedlerstellen.
Es
entstanden so 23 neue Siedlerstellen (allerdings dieses mal mit sehr wenig
Garten) in dem Bereich zwischen Siedlerklause und der Verbindungsgasse Römerweg
- Gemeinschaftswiese - Freiheitsstraße. In eine der Siedlerstellen zog unser
Lehrer Bolz ein. Die anderen Lehrer und Lehrerinnen wohnten in den
Lehrerhäusern in der Ehrenstraße. Obwohl wir es nicht durften haben wir viel in
den neuen Baustellen auf der alten Gemeinschaftswiese gespielt. Die Baugrube
von einem Neubau direkt hinter der Siedlerklause war nach einem starken
Regenfall voll Wasser gelaufen. Wir haben uns aus Holz und Baumaterial ein Floß
gebaut und sind durch die Grube gepaddelt. Das hat richtig Spaß gemacht - auch
weil es verboten war -.
1961 wurde auch der neue Sportplatz auf der bisherigen
Gemeinschaftswiese fertig gebaut und der DJK
Jugendsport Begau 1948 e.V. übergeben. Um den Sportplatz herum wurde
eine neue Straße gebaut (Carl-Diem-Straße
-- heute Johannes Kayen Straße). 1963 bin ich dem Sportverein DJK-Begau
beigetreten. Dort spielten in überwiegender Anzahl Begauer Kinder Fussball.
Fremde (z.B. aus Hoengen oder Mariadorf) waren die Ausnahme. Aus meiner Klasse
spielten z.B. Peter Krichel, Hans Fieber und Matthias Gillißen in der gleichen
Mannschaft. Josef Esser (ein Mariadorfer) war unser Torwart. Eine
Mannschaft höher spielten Helmut und
Friedhelm Krämer, Siggi Wolter oder auch Werner Brettschneider.Eine Mannschaft
tiefer spielten z.B. Norbert Marso, Hans Dickmeis und Edmund Traut.
Im Jahr 1962 wurde auf der Wiese neben der Schule, direkt am
Pfadfinder-Kreuz ein Kinder-spielplatz errichtet. Seitlich grenzte der Spielplatz
nun an die neu errichtete Carl-Diem-Straße. Das war für uns Kinder ein tolles
Ereignis. Zuerst gab es zwar nur Sand und eine Rutschbahn aber es waren bereits
mehr Spielgeräte versprochen.
Etwas später wurde dann auch das Trafohäuschen
am Spielplatz erbaut. Ärgerlich war, dass wir in den Schulpausen nicht auf den
Spielplatz durften und die Lehrer das auch überwachten, wenn nötig auch
bestraften. Zu den Strafen in dieser Zeit gehörten durchaus auch noch neben
Strafarbeit die Züchtigung mit dem Rohrstock oder dem Lineal. Ich habe einige
Kostproben davon erlebt.
Ab dem Jahr 1962 war die Begau für Kinder richtig interessant. In den Sommermonaten fand das Fussball-Training auf dem Sportplatz statt (im Winter in der Turnhalle in der Jahnstraße). Dann waren da ja noch die Pflichtspiele Samstags. Sonntags haben wir der 1. Mannschaft zugeschaut und dabei die Hitparade oder wenn Samstags Spiele waren auch die großen 8 im Kofferradio gehört. Besonders gut schmeckte uns dabei der Sauerampfer der massenweise rund um den Sportplatz zu finden war. An den anderen Tagen waren wir dann auf dem Kinderspielplatz oder in den Grüngürteln und oft in den nahen Feldern zu finden. Ein ganz beliebter Treffpunkt war die Bank am Judenfriedhof oder die rote Bank in der Gracht auf dem Weg nach Warden (in de Graat).
Unvergessen auch die
von der DJK veranstalteten Zeltlager z.B. in Adenau am Nürburgring oder auch in
Brodenbach an der Mosel.
DJK - Zeltlager
Dazu hier eine Passage aus meinem Jahres-Tagebuch:
Das zwanglose Miteinander im Zeltlager tut mir gut. Wir
erkunden die nähere Umgebung und machen Adenau unsicher. Auf dem Ring findet
ein Formel 1 - Rennen statt (der große Preis von Deutschland), welches wir uns
vom Dach einer Scheune aus ansehen. Jack Brabham, John Surtees, Jil Vileneuve und
Jochen Rindt sind bald Namen, die jeder von uns kennt. Das Rennen gewinnt
schließlich John Surtees vor Graham Hill und Lorenzo Bandini. Zum Ende des Rennens sind wir mit ca.
10 Mann auf dem Dach der Scheune. Durch zu heftige Bewegungen unsererseits
bricht die Scheune schließlich in sich zusammen so daß wir innerhalb von
Sekunden mit dem Dach auf der Wiese
liegen. Zu reparieren ist hier nichts mehr, also Fersengeld, ab ins Lager.
Aus den Kofferradios plärrt ununterbrochen Beat von Dave
Dee, den Troggs, den Beatles und den Rolling Stones. Aber alles fing an mit den
Songs, Halbstark (The
Yankees), Rag doll (The four seasons )und Cadillac (The Renegades)
Im Frühjahr und Sommer waren oft Spielmannszüge zu
bestaunen, etwa beim Maifest, Siedlerfest oder Schützenfest. Es war lustig dem
Tambourmajor bei seiner Taktgabe zuzuschauen
oder auch den Träger des Schellenbaums zu bewundern. Diese
Spielmannszüge wurden regelmäßig von uns Kindern auf ihrem Weg begleitet. Sehr
oft haben wir den Klängen der Kapellen am Ehrenmal in der Freiheitsstraße
gelauscht. Einige male sind wir auch mit unseren geschmückten Rädern im Zug
mitgefahren. In diesen Jahren Anfang der 60er wurde sogar schon einmal ein
Zirkus auf der großen Wiese neben der Schule aufgebaut.
Als dann die Begauer Straßen Mitte der 60er Jahre geteert
wurden ergaben sich für uns Kinder noch weitere Möglichkeiten der
Freizeitgestaltung. Plötzlich war Rollschuhfahren angesagt und es wurde auf dem
Platz Siedlerweg – Ecke Pützbruchstraße oft Hockey gespielt. Fahrrad fahren
machte auf den geteerten Straßen auch viel mehr Spaß. Viele von uns gingen in
diesen Jahren zur Kommunion und die meisten bekamen dann ein eigenes Rad. Im
Winter war es viel besser mit Gleitschuhen auf einer Teerdecke zu fahren als
vorher auf den planierten Straßen.
Zurück zum Fussball. Wenn wir ein Heimspiel gewonnen hatten
bekamen wir schon einmal eine Limo vom Trainer Bernd Rottmann ausgegeben. Dann
gingen wir in der Fussballkluft nach dem Spiel zusammen in die Siedlerklause,
die ja nur einen Steinwurf vom Sportplatz entfert lag. Das Sportheim war noch
nicht gebaut. An Duschräume war überhaupt nicht zu denken. Nach jedem Training
oder Spiel mussten wir uns zu Hause waschen. Damals waren Wüllenweber die
Inhaber der Siedlerklause. Ich kann mich noch gut an die drei großen Gläser auf
der Theke erinnern. In einem waren Soleier, im zweiten saure Gurken und im
dritten Frikadellen. Auch wurden dort des öfteren gesalzene und auch gezuckerte
Erdnüsse oder Salzstangen angeboten. Mitte der 60er Jahre wurde die Gaststätte
nach links erweitert und es entstand eine Bar. Mit dem großen Saal der
Kegelbahn und einem Kickerspiel verfügte die Siedlerklause sehr früh schon über
attraktive Freizeitmöglichkeiten. In den späten 60er Jahren hieß der Inhaber
dann Kolling.
Als Teenager haben wir in der Siedlerklause auch manch heiße
Scheibe auf unseren eigenen Plattenspieler aufgelegt z.B. 1968 Revolution von
den Beatles. Im Keller der Schule probte des öfteren die Beatband The Tigers und am Dreieck machte die erste
Disco (Studio Dreieck) auf. Bald folgten weitere Angebote in der näheren
Umgebung z.B. der Tatersaal in Warden (Jakobstraße), oder das Moulin Rouge in
Aldenhoven. In Haaren war es der Pferdestall, in Merkstein das Derby und in
Alsdorf das Tanzlokal Mertens.
Es war einfach geil in dieser Zeit Teenager zu sein.
Mittwochs war Studio-Dreieck Tag. Samstags entweder Studio, Tatersaal oder
Moulin Rouge. Sonntags Studio oder Mertens und auch schon einmal Club 21 in
Alsdorf. Es gab natürlich noch weitere Discos z.B. in Würselen, Aachen oder in
Holland die auch von einigen Jugendlichen der Begau besucht wurden.
Durch
dieses übergroße Angebot hat man sich leider auch mit und mit aus den Augen
verloren. Man lernte die erste Freundin oder den ersten Freund kennen und damit
lernte man auch neue Leute und ein anderes Umfeld kennen. Die meisten machten
auch jetzt eine Ausbildung, gingen arbeiten oder studieren, wodurch man wieder
neue Leute kennen lernte und wieder ein neues Umfeld enstand. Viele zogen auch
in ein anderes Dorf oder eine andere Stadt. Aber, so ist eben der Lauf der
Dinge. Ab und zu treffen wir uns noch bei Klassentreffen.

Da kann man dann
feststellen, dass keiner die damalige Zeit vergessen hat und sie von fast allen
noch heute als sehr positiv bewertet wird. Unisono ist die Feststellung
"wir hatten eine tolle Kindheit und Jugend auf der Begau".
Ausnahmslos alle beneiden deshalb auch die Mitschüler/innen die bis heute noch
auf der Begau wohnen dürfen. Jedoch den allergrößten Teil hat es in andere
Dörfer oder Städte verschlagen. Was komisch ist: selbst diejenigen die nur ihre
Kindheit und Jugend auf der Begau verbracht haben danach aber 40 Jahre und mehr
irgendwo anders gelebt haben betrachten heute immer noch die Begau als
"ihre" Heimat. Zu denen gehöre ich auch und das wird auch immer so
bleiben.





















































