Mittwoch, 1. April 2020

Komm doch mit strööfe. (Teil2).



Komm doch mit strööfe. Ein Bewegungsmuster innerhalb der Begau 1963.
Teil 2.





Hurra, die Schule ist aus. Ich verstecke meine Tasche im Gebüsch am Ehrenmal denn heute habe ich Lust zu „strööfe“. Vom Schulhof aus gehe ich die Ehrenstraße entlang in Richtung Kirche. Nach ca. 150m zweigt links und rechts die Barbarastraße ab. Ich gehe aber bis zur Kirche und setze mich dort zuerst einmal auf die kühlenden Stufen. Mein Blick reicht über das weite Feld bis zu einer Baumgruppe am Horizont in der alten Wardener Straße. Heute stehen in diesem Bereich Häuser der Vogelsiedlung, aber die gab es 1963 noch nicht. Wenn ich nach links schaue sehe ich die Ehrenstraße in Richtung Dreieck entlang . Links und rechts der Ehrenstraße gibt es nur Felder. Halbrechts gegenüber, da wo heute die Hermann-Löns-Straße ist gibt es einen von Gebüsch und Bäumen gesäumten Feldweg. Der Feldweg geht in Richtung Vogelsiedlung. Auf Hälfte der Strecke kann man links über einen weiteren Feldweg bis zur Tram-Haltestelle am Dreieck gehen. Die Tram-Haltestelle am Dreieck zu dieser Zeit waren zwei Gleise (weil sich hier die Straßenbahnen von Eschweiler und Alsdorf begegneten), ein Depot mit Schwellen und anderem Kram direkt neben dem langen Gebäude des Kinos „Metropol Theater“ und auf der anderen Seite ein Kindergarten mit außenliegendem überdachtem Sandkasten.


Ich laufe mal eben rüber zur Gaststätte Breuer und sehe mir von dort unsere erst 5 Jahre alte Kirche an. Links neben der Kirche sehe ich auch schon wie mein Weg heute weiter geht. Zwischen den Gärten der Barbarastraße und der Kirche gibt es einen weiteren Feldweg (dort wo heute die Rolandstraße ist). Auch hier gibt es einen breiten Grüngürtel mit sehr vielen Gebüschen und einem großen Baumbestand. Ich gehe den Feldweg entlang. Links von mir ist der Grüngürtel und rechts wieder nur Feld. Das Feld reicht bis an die Häuser an der Aachener Straße heran und vor mir zieht es sich zunächst einmal bis zur Michaelstraße. In der Mitte der Häuserzeile an der Aachener Straße sehe ich den Hinterhof des Papiergeschäftes Zander (Heute Gaststätte Arnolds). Bei Zander kauften die Begauer alle Materialien zum Basteln z.B. für Laternen oder Windvögel und Windräder. Nun habe ich die Michaelstraße erreicht. Gera-de fährt der Milchmann mit seinem Wagen an mir vorbei. Ich überquere die Michaelstraße. Rechts von mir sehe ich die Gaststätte Merkelbach und schräg gegenüber das Haus des Schusters. Uschi, eine der Merkelbach-Töchter ist ein Jahrgang unter mir. Auf dem Feldweg setzt sich das bisherige Bild nun fort. Links von mir (nun hinter den Gärten der Glück-Auf-Straße) weiterhin der Grüngürtel und rechts von mir nur Feld bis zur B1. Die Tankstelle und die Waschanlage sowie das Fliesengeschäft auf der Aachener Straße gab es natürlich noch nicht.


Nach ca. 250 m habe ich das Stromhäuschen erreicht. Dort lege ich mich erst einmal ins Gras und beobachte die Kühe vom Bauer Meisenberg. Ein Apfelbaum weckt mein Interesse. Ich laufe zum Feldweg und krieche unter den Stacheldrahtzaun. An der alten Trauerweide vorbei gehe ich Richtung Apfelbaum, die Kühe habe ich dabei immer im Blick. Aber meine Mühe war vergebens, die Äpfel sind noch nicht reif. Über den langen Feldweg (die heutige Sankt-Jöris-Straße) gehe ich bis zum Abzweig „Alter Römerweg“. Ich laufe den alten Römerweg entlang und biege in die Verbindungsgasse zur Gemeinschaftswiese ab. Ich laufe quer über die Gemeinschaftswiese bis zur Toilette der Schule. Hier gibt es eine Gasse, zwischen Schulhof und dem Haus von Pauly, die zur Freiheitsstraße führt. Ich biege rechts in die Freiheitsstraße ab. Gegenüber sehe ich das Haus meiner Großeltern. Dann laufe ich noch ein paar Schritte und bin wieder am Ehrenmal. Ich schnappe mir meine Tasche und schlendere nun über die Freiheitsstraße in Richtung Michaelstraße und dann durch die Verbindungsgasse Michaelstraße – Gartenstraße nach Hause. Eins steht fest, nach dem Stress mache ich heute keine Hausaufgaben mehr. Jetzt heißt es gut Mittag zu essen denn danach will man ja auch einmal raus und etwas von der Welt (vom Dorf) sehen. In der Gasse treffe ich Matthias und der fragt direkt ob ich gleich zum Fußball spielen komme. Auf einmal habe ich gar keinen Hunger mehr. Aber die Schultasche stört mich, deshalb gehe ich doch auf einen kurzen Sprung nach Hause.

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