Mittwoch, 1. April 2020

Eine kleine Radrunde im Jahr 1962


Eine kleine Radrunde im Jahr 1962



Heute mache ich eine kleine Radtour. Das hatte ich mir schon länger vorgenommen. Ich schiebe mein neues Rad aus der Garage und schwinge mich in den Sattel. Die Auffahrt Gartenstraße 13 runter und dann rechts abgebogen. Nach 20m biege ich erneut rechts in die Verbindungsgasse Gartenstraße - Michaelstraße ein. Beim Abbiegen sehe ich meinen Freund Albert Badziong vor dem Haus Gartenstraße 14 spielen. Ich winke ihm zu und er grüßt zurück. Am Ende der Gasse sehe ich gegenüber die Siedlerklause. 



Der derzeitige Inhaber ist Johann Nacken. Ein Stück weiter geradeaus kann ich den neu errichteten Sportplatz auf der ehemaligen Gemeinschaftswiese sehen. Jetzt lohnt es sich dem Fussballverein DJK-Begau beizutreten. Ich habe meine Eltern schon darauf angesprochen, dass ich gerne in den Fussball-verein eintreten möchte. Mal sehen was daraus wird. Schräg rechts gegenüber auf dem Wie-senstück wird gebaut. Es sollen hier 23 neue Siedlerstellen an einer neuen Straße (wahrscheinlich mit dem Namen Carl Diem Straße) entstehen. Ich biege nun rechts ab und sehe rechts das Futtermittelgeschäft Lenz. Das Schaufenster ist mit Stoff verblendet. Was sollte man auch in einem Futtermittelgeschäft ins Schaufenster legen? Der Sohn Norbert Lenz geht mit mir zusammen zur Schule in die gleiche Klasse. Neben Lenz sehe ich das Lederwaren- und Textilgeschäft Emondts (Leo) in der Michaelstraße 40. Hier sind sowohl Kleidungsstücke als auch Lederwaren wie Gürtel und Handtaschen im Schaufenster ausgelegt. Links daneben steht der Kindergarten in dem ich vor noch nicht allzulanger Zeit selbst Kindergartenkind war. Das letzte Haus auf der rechten Seite der Michaelstraße ist das Haus vom Friseur Her-mann Heidemanns. Das ist ein reiner Herrenfriseur, deshalb ist die Einrichtung im Salon mit nur einem Frisierstuhl auch sehr spartanisch. Ich fahre bis zum Ende der Michaelstraße und biege dort rechts ab. 



Ich quere die Gartenstraße und fahre an der Gärten der Familien Krämer und Nolden vorbei. Hinter dem an den Gärten anschließenden Grüngürtel biege ich rechts in den Feldweg (St. Jöris Straße) ein. Ich fahre an dem alleinstehenden Haus der Familie Beut auf der linken Seite vorbei und fahre am Abzweig zur Glück Auf Straße weiter geradeaus. Rechts komme ich jetzt am Trafohäuschen vorbei und kann den Garten der Gaststätte Merkelbach in der Michaelstra-ße hinter dem Feld sehen. Rechts zieht sich auch ein weiterer Grüngürtel vom Stromhäuschen bis zur Michaelstraße. Links sehe ich eine sehr große Weidefläche auf der gerade 8 Kühe grasen. Ich kann den Bauernhof Meisenberg und ein Stück weiter den Bauernhof Esser sehen. Noch ein wenig weiter erkenne ich die Umrisse der Begauer Mühle Offergeld. Ich biege nun rechts auf den Radweg entlang der Bundesstraße 1 ab. Rechts von mir sehe ich nur Felder die sich bis zum Grüngürte hinter der Glück Auf Straße ziehen. Einige Bäume am Straßenrand begleiten mich bis zur Total-Tankstelle an der Einmündung in die Michaelstraße. Ab dort kommen auf beiden Seiten wieder einige Häuser. Links ist das Lebensmittelgeschäft Besgen. Hildegard die Tochter ist mit mir in der gleichen Klasse. Hildegard hat ein Ponny mit dem sie öfter schon einmal zur Gemeinschaftswiese in der Begau kommt. Ein Stückchen weiter sehe ich links das Haus in dem Philipp Hecker (ebenfalls ein Klassenkamerad) wohnt. Auf der rechten Seite fahre ich nun am Papier- und Schreibwarengeschäft Zander vorbei. In diesem Geschäft besorgen sich die Begauer Kinder das Material um Windvögel, Windräder oder auch Martins-Laternen zu basteln. Kurz dahinter hört die Bebauung wieder auf und auf der rechten Seite ist nun wieder nur Feld. Ich überhole einige Fußgäger, die ich aber nicht kenne. Hinter dem Feld ist der Grüngürtel an der Barbarastraße gut zu erkennen. Auch die Bäume stehen nun wieder am Straßenrand bis kurz vor der Drogerie Gehlen. Links sehe ich die neue Shell-Tankstelle von Willi Rauschenberg. Erich der Geselle schraubt gerade an einem Opel herum. Ich fahre noch bis zur Einmündung der Ehrenstraße. Dort steige ich ab und schiebe nun mein Rad. Ich quere so die Ehrenstraße und bleibe erst einmal stehen denn jetzt bin ich am Dreieck.

Rechts das erste Haus gehört der Familie Beckers die Futtermittel verkauft. Hinter dem Haus ist ein großer Hühnerpark der sich ein Stück entlang der Ehrenstraße zieht. Dort habe ich oft den Hühnern bei ihrem Treiben zugeschaut. Ich wende den Kopf nach links und sehe dort gewaltig, groß und düster die Mühle Delahaye stehen. Ein Stück rechts neben der Mühle ist die Gaststätte von Walburga Sevenig. Dort ist auch Fensterverkauf von Süssigkeiten und Eis. Ein paar Jahre zuvor hatte Herr Sevenig noch einen Kiosk am Dreieck. Bedient wird man am Fenster vom "Nusch". Herr Sevenig hat diesen Spitznamen weil er eine Hasenscharte hat. Möchte man eine Tafel Schokolade kaufen so fragt er stets: "mit Nusch oder ohne Nusch" (wobei natürlich Nuß gemeint ist). Ich schiebe mein Rad weiter an der Metzgerei Willy Mertens und der Gaststätte Matthias Gier vorbei und erreiche das Textilwaren-Geschäft Esser Kelleter. Da die Auslage im Schaufenster eigentlich immer die gleiche ist gehe ich noch ein Stück weiter bis zu den Schaukästen des Metropol-Theaters und stelle das Fahrrad dort ab. In den Schaukästen hängen immer tolle Plakate der neuesten Filme aus und eine Menge Hochglanzfotos der aktuellen Filmstars in ihren Filmszenen. Einer meiner Onkel hat lange Jahre im Metropol nebenher gearbeitet als Filmvorführer. Das Kino Metropol gehört Katharina Kelleter & Söhne. Die links am Kino angrenzende Gaststätte gehört Josef Kelleter. Ich gehe noch ein Stück weiter und schaue nach rechts auf die Haltestelle der Straßenbahn der Linie 28 Eschweiler - Alsdorf. Die Tram steht auch tatsächlich gerade da und wartet auf die entgegenkommende Straßenbahn aus Eschweiler. Kinderlärm erfüllt die Luft. Er kommt vom Kindergarten an der Haltestelle. Hinter den hohen Pappeln sieht man einen überdachten Sand-kasten und darin spielende Kinder. Das Gebäude ist das Kloster Sankt Marien. Das ursprüng-liche Kloster stand in "d´r Schwestere Böisch" ein Stück weiter die Aachener Straße runter Richtung Hoengen. Dieses Kloster wurde aber 1945 von den Amerikanern gesprengt weil es zeitweise als Heim für die NSDAP-Ortsgruppe Mariadorf missbraucht worden war.








Ich wende nun meinen Kopf nach links und kann so das klassische Bild vom Mariadorfer Dreieck sehen. Da ist zu allererst einmal das Herz des Dreieck die Gaststätte mit Kiosk Wimmer-Graf. Generationen von Kindern und Jugendlichen haben sich meist Sonntags nach dem Gottesdienst dort mit Süssigkeiten versorgt. Auch Comics oder die Bravo standen für uns Kinder und Jugendliche dort hoch im Kurs. Auch Wimmer hatten in der Nachkriegszeit zurerst nur einen Kiosk in direkter Nähe des Straßenbahndepots. Rechts neben Wimmer-Graf sehe ich die Apotheke am Dreieck von Ludwig Winzen und rechts daneben die Kreisspar-kasse Aachen. Links neben Wimmer-Graf ist das Textilgeschäft von Elly Rehfisch. Im Keller dieser Filiale werden dort Näharbeiten verrichtet. Das Hauptgeschäft ist in Hoengen. Noch weiter links befindet sich das Haushaltswarengeschäft der Familie Steudel. Gegenüber von diesen Geschäften liegt die Villa Bellingrodt. Herr Dr. Walter Bellingrodt ist Direktor des EBV (des größten Arbeitgebers im weiten Umfeld). Leider wurde in diesem Jahr die Grube Maria Hauptschacht endgültig stillgelegt. Die Kumpel wurden jedoch alle zur Grube Emil Mayrisch nach Siersdorf verlegt. Ich gehe zurück zum Fahrrad und schiebe es wieder bis zur Ehrenstraße. Ich steige auf und fahre die Ehrenstraße runter in Richtung Begauer Kirche. Rechts ist bis zur Kirche nur Feld. Links beginnt das Feld hinter dem beschriebenen Hühnerpark von Futtermittel Beckers und zieht sich dann ebenfalls bis zur Kirche. Auf der linken Seite stehen am Straßenrand einige Pappeln. Auf der rechten Seite geht ein Feldweg ab der rüber zur Michaelstraße führt und ungefähr an der Gaststätte Merkelbach endet. An der Kirche halte ich an und bestaune die Bauarbeiten am Flachbau des Architekten Bert Poensgen. Rechts daneben stehen die Gaststätte "zum Heidekrug" und  das Lebensmittel-geschäft von Gertrud Breuer. Ich steige wieder aufs Rad und quere die Barbarastraße. Vorbei an den Häusern von Leo Meurer, Paul Marso, Hugo Weber und Hermann Engel fahre ich bis zum Schulhof der Volksschule St. Michael. Dort stelle ich das Rad wieder ab und setze mich auf die Naturstein-Mauer.



Ich schau den Leuten beim Einkaufen zu. Links sehe ich die Metzgerei von Josefine Emundts, da ist einiges los. Ganz klar kann ich Frau Krosch erkennen, die gerade bedient wird. Rechts daneben ist das Edeka-Geschäft von Peter Meyer, auch da sind einige Leute beim Einkauf. Gerade verlässt Frau Litz mit ihren Einkäufen das Geschäft. Ganz rechts beim Bäcker Albert Mainz kann ich nicht erkennen ob gerade gekauft wird weil sich die Sonne im Schaufenster spiegelt. Ich steige wieder aufs Rad und fahre die Ehrenstraße hoch vorbei an den drei Lehrerhäusern. Im ersten Haus wohnt die Rektorin Katharina Reuter. Ich habe sie seit Anfang des Schuljahres als Klassenlehrerin. Im zweiten Haus wohnt der Volksschulrektor Robert Nitschke, der von 1956 bis 1961 auch ehrenamtlicher Bürgermeister von Hoengen war. Unser derzeitiger Gemeindedirektor ist seit November 1946 Herr Franz Engländer. Im letzten Haus wohnt dann noch der Lehrer Karl Moik, der aus Schlesien zur Begau gekommen ist. Am Ende der Ehrenstraße biege ich rechts ab in die Straße "Alter Römerweg". Den fahre vorbei an den Häusern der Familien Kubitzki, Brettschneider, Lompa und Patrzek bis zur Kreuzung mit der Gartenstraße und biege dann rechts ab. An den Häusern der Familie Krämer, Gonschorek, Karos, Steinmetz, Frings, Schneiderwind, Gillissen und Kirsch vorbei halte ich dann vor der Garage vom Haus Gartenstraße 13. Ich bin zufrieden mit dem Verlauf der Radtour und setze mich zuerst einmal zur Entspannung im Garten auf die Bank.

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