Eine kleine Radrunde im Jahr 1962
Heute mache ich eine kleine Radtour. Das hatte ich mir schon
länger vorgenommen. Ich schiebe mein neues Rad aus der Garage und schwinge mich
in den Sattel. Die Auffahrt Gartenstraße 13 runter und dann rechts abgebogen.
Nach 20m biege ich erneut rechts in die Verbindungsgasse Gartenstraße -
Michaelstraße ein. Beim Abbiegen sehe ich meinen Freund Albert Badziong vor dem
Haus Gartenstraße 14 spielen. Ich winke ihm zu und er grüßt zurück. Am Ende der
Gasse sehe ich gegenüber die Siedlerklause.
Der derzeitige Inhaber ist Johann
Nacken. Ein Stück weiter geradeaus kann ich den neu errichteten Sportplatz auf
der ehemaligen Gemeinschaftswiese sehen. Jetzt lohnt es sich dem Fussballverein
DJK-Begau beizutreten. Ich habe meine Eltern schon darauf angesprochen, dass
ich gerne in den Fussball-verein eintreten möchte. Mal sehen was daraus wird.
Schräg rechts gegenüber auf dem Wie-senstück wird gebaut. Es sollen hier 23
neue Siedlerstellen an einer neuen Straße (wahrscheinlich mit dem Namen Carl
Diem Straße) entstehen. Ich biege nun rechts ab und sehe rechts das
Futtermittelgeschäft Lenz. Das Schaufenster ist mit Stoff verblendet. Was
sollte man auch in einem Futtermittelgeschäft ins Schaufenster legen? Der Sohn
Norbert Lenz geht mit mir zusammen zur Schule in die gleiche Klasse. Neben Lenz
sehe ich das Lederwaren- und Textilgeschäft Emondts (Leo) in der Michaelstraße
40. Hier sind sowohl Kleidungsstücke als auch Lederwaren wie Gürtel und
Handtaschen im Schaufenster ausgelegt. Links daneben steht der Kindergarten in
dem ich vor noch nicht allzulanger Zeit selbst Kindergartenkind war. Das letzte
Haus auf der rechten Seite der Michaelstraße ist das Haus vom Friseur Her-mann
Heidemanns. Das ist ein reiner Herrenfriseur, deshalb ist die Einrichtung im
Salon mit nur einem Frisierstuhl auch sehr spartanisch. Ich fahre bis zum Ende
der Michaelstraße und biege dort rechts ab.
Ich quere die Gartenstraße und fahre an der Gärten der
Familien Krämer und Nolden vorbei. Hinter dem an den Gärten anschließenden
Grüngürtel biege ich rechts in den Feldweg (St. Jöris Straße) ein. Ich fahre an
dem alleinstehenden Haus der Familie Beut auf der linken Seite vorbei und fahre
am Abzweig zur Glück Auf Straße weiter geradeaus. Rechts komme ich jetzt am
Trafohäuschen vorbei und kann den Garten der Gaststätte Merkelbach in der
Michaelstra-ße hinter dem Feld sehen. Rechts zieht sich auch ein weiterer
Grüngürtel vom Stromhäuschen bis zur Michaelstraße. Links sehe ich eine sehr
große Weidefläche auf der gerade 8 Kühe grasen. Ich kann den Bauernhof
Meisenberg und ein Stück weiter den Bauernhof Esser sehen. Noch ein wenig
weiter erkenne ich die Umrisse der Begauer Mühle Offergeld. Ich biege nun
rechts auf den Radweg entlang der Bundesstraße 1 ab. Rechts von mir sehe ich
nur Felder die sich bis zum Grüngürte hinter der Glück Auf Straße ziehen.
Einige Bäume am Straßenrand begleiten mich bis zur Total-Tankstelle an der
Einmündung in die Michaelstraße. Ab dort kommen auf beiden Seiten wieder einige
Häuser. Links ist das Lebensmittelgeschäft Besgen. Hildegard die Tochter ist
mit mir in der gleichen Klasse. Hildegard hat ein Ponny mit dem sie öfter schon
einmal zur Gemeinschaftswiese in der Begau kommt. Ein Stückchen weiter sehe ich
links das Haus in dem Philipp Hecker (ebenfalls ein Klassenkamerad) wohnt. Auf
der rechten Seite fahre ich nun am Papier- und Schreibwarengeschäft Zander
vorbei. In diesem Geschäft besorgen sich die Begauer Kinder das Material um
Windvögel, Windräder oder auch Martins-Laternen zu basteln. Kurz dahinter hört
die Bebauung wieder auf und auf der rechten Seite ist nun wieder nur Feld. Ich
überhole einige Fußgäger, die ich aber nicht kenne. Hinter dem Feld ist der
Grüngürtel an der Barbarastraße gut zu erkennen. Auch die Bäume stehen nun
wieder am Straßenrand bis kurz vor der Drogerie Gehlen. Links sehe ich die neue
Shell-Tankstelle von Willi Rauschenberg. Erich der Geselle schraubt gerade an
einem Opel herum. Ich fahre noch bis zur Einmündung der Ehrenstraße. Dort
steige ich ab und schiebe nun mein Rad. Ich quere so die Ehrenstraße und bleibe
erst einmal stehen denn jetzt bin ich am Dreieck.
Rechts das erste Haus gehört der Familie Beckers die
Futtermittel verkauft. Hinter dem Haus ist ein großer Hühnerpark der sich ein
Stück entlang der Ehrenstraße zieht. Dort habe ich oft den Hühnern bei ihrem
Treiben zugeschaut. Ich wende den Kopf nach links und sehe dort gewaltig, groß
und düster die Mühle Delahaye stehen. Ein Stück rechts neben der Mühle ist die
Gaststätte von Walburga Sevenig. Dort ist auch Fensterverkauf von Süssigkeiten
und Eis. Ein paar Jahre zuvor hatte Herr Sevenig noch einen Kiosk am Dreieck.
Bedient wird man am Fenster vom "Nusch". Herr Sevenig hat diesen
Spitznamen weil er eine Hasenscharte hat. Möchte man eine Tafel Schokolade
kaufen so fragt er stets: "mit Nusch oder ohne Nusch" (wobei
natürlich Nuß gemeint ist). Ich schiebe mein Rad weiter an der Metzgerei Willy
Mertens und der Gaststätte Matthias Gier vorbei und erreiche das
Textilwaren-Geschäft Esser Kelleter. Da die Auslage im Schaufenster eigentlich
immer die gleiche ist gehe ich noch ein Stück weiter bis zu den Schaukästen des
Metropol-Theaters und stelle das Fahrrad dort ab. In den Schaukästen hängen
immer tolle Plakate der neuesten Filme aus und eine Menge Hochglanzfotos der
aktuellen Filmstars in ihren Filmszenen. Einer meiner Onkel hat lange Jahre im
Metropol nebenher gearbeitet als Filmvorführer. Das Kino Metropol gehört
Katharina Kelleter & Söhne. Die links am Kino angrenzende Gaststätte gehört
Josef Kelleter. Ich gehe noch ein Stück weiter und schaue nach rechts auf die
Haltestelle der Straßenbahn der Linie 28 Eschweiler - Alsdorf. Die Tram steht
auch tatsächlich gerade da und wartet auf die entgegenkommende Straßenbahn aus
Eschweiler. Kinderlärm erfüllt die Luft. Er kommt vom Kindergarten an der
Haltestelle. Hinter den hohen Pappeln sieht man einen überdachten Sand-kasten
und darin spielende Kinder. Das Gebäude ist das Kloster Sankt Marien. Das
ursprüng-liche Kloster stand in "d´r Schwestere Böisch" ein Stück
weiter die Aachener Straße runter Richtung Hoengen. Dieses Kloster wurde aber
1945 von den Amerikanern gesprengt weil es zeitweise als Heim für die
NSDAP-Ortsgruppe Mariadorf missbraucht worden war.
Ich wende nun meinen Kopf nach links und kann so das
klassische Bild vom Mariadorfer Dreieck sehen. Da ist zu allererst einmal das
Herz des Dreieck die Gaststätte mit Kiosk Wimmer-Graf. Generationen von Kindern
und Jugendlichen haben sich meist Sonntags nach dem Gottesdienst dort mit
Süssigkeiten versorgt. Auch Comics oder die Bravo standen für uns Kinder und
Jugendliche dort hoch im Kurs. Auch Wimmer hatten in der Nachkriegszeit zurerst
nur einen Kiosk in direkter Nähe des Straßenbahndepots. Rechts neben
Wimmer-Graf sehe ich die Apotheke am Dreieck von Ludwig Winzen und rechts
daneben die Kreisspar-kasse Aachen. Links neben Wimmer-Graf ist das
Textilgeschäft von Elly Rehfisch. Im Keller dieser Filiale werden dort
Näharbeiten verrichtet. Das Hauptgeschäft ist in Hoengen. Noch weiter links
befindet sich das Haushaltswarengeschäft der Familie Steudel. Gegenüber von
diesen Geschäften liegt die Villa Bellingrodt. Herr Dr. Walter Bellingrodt ist
Direktor des EBV (des größten Arbeitgebers im weiten Umfeld). Leider wurde in
diesem Jahr die Grube Maria Hauptschacht endgültig stillgelegt. Die Kumpel wurden
jedoch alle zur Grube Emil Mayrisch nach Siersdorf verlegt. Ich gehe zurück zum
Fahrrad und schiebe es wieder bis zur Ehrenstraße. Ich steige auf und fahre die
Ehrenstraße runter in Richtung Begauer Kirche. Rechts ist bis zur Kirche nur
Feld. Links beginnt das Feld hinter dem beschriebenen Hühnerpark von
Futtermittel Beckers und zieht sich dann ebenfalls bis zur Kirche. Auf der
linken Seite stehen am Straßenrand einige Pappeln. Auf der rechten Seite geht
ein Feldweg ab der rüber zur Michaelstraße führt und ungefähr an der Gaststätte
Merkelbach endet. An der Kirche halte ich an und bestaune die Bauarbeiten am
Flachbau des Architekten Bert Poensgen. Rechts daneben stehen die Gaststätte
"zum Heidekrug" und das
Lebensmittel-geschäft von Gertrud Breuer. Ich steige wieder aufs Rad und quere
die Barbarastraße. Vorbei an den Häusern von Leo Meurer, Paul Marso, Hugo Weber
und Hermann Engel fahre ich bis zum Schulhof der Volksschule St. Michael. Dort
stelle ich das Rad wieder ab und setze mich auf die Naturstein-Mauer.
Ich schau den Leuten beim Einkaufen zu. Links sehe ich die
Metzgerei von Josefine Emundts, da ist einiges los. Ganz klar kann ich Frau
Krosch erkennen, die gerade bedient wird. Rechts daneben ist das Edeka-Geschäft
von Peter Meyer, auch da sind einige Leute beim Einkauf. Gerade verlässt Frau
Litz mit ihren Einkäufen das Geschäft. Ganz rechts beim Bäcker Albert Mainz
kann ich nicht erkennen ob gerade gekauft wird weil sich die Sonne im
Schaufenster spiegelt. Ich steige wieder aufs Rad und fahre die Ehrenstraße
hoch vorbei an den drei Lehrerhäusern. Im ersten Haus wohnt die Rektorin
Katharina Reuter. Ich habe sie seit Anfang des Schuljahres als Klassenlehrerin.
Im zweiten Haus wohnt der Volksschulrektor Robert Nitschke, der von 1956 bis
1961 auch ehrenamtlicher Bürgermeister von Hoengen war. Unser derzeitiger
Gemeindedirektor ist seit November 1946 Herr Franz Engländer. Im letzten Haus
wohnt dann noch der Lehrer Karl Moik, der aus Schlesien zur Begau gekommen ist.
Am Ende der Ehrenstraße biege ich rechts ab in die Straße "Alter
Römerweg". Den fahre vorbei an den Häusern der Familien Kubitzki,
Brettschneider, Lompa und Patrzek bis zur Kreuzung mit der Gartenstraße und
biege dann rechts ab. An den Häusern der Familie Krämer, Gonschorek, Karos, Steinmetz,
Frings, Schneiderwind, Gillissen und Kirsch vorbei halte ich dann vor der
Garage vom Haus Gartenstraße 13. Ich bin zufrieden mit dem Verlauf der Radtour
und setze mich zuerst einmal zur Entspannung im Garten auf die Bank.








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